voll beschlagen ließ. Das bereits erwähnte Horn der Livrust-kammaren von Stanislaw Radziejowski besitzt einen Beschlag ausvergoldetem Silber 50).
Während also beim Tur diese Volksvorstellung am reinÄußerlichen hängen blieb, ist mit der koza- Ziege der Glaube aneinen Fruchtbarkeitszauber verbunden. Wir haben bereits auf dieDrohung der Heischegänger mit der versiegenden Kuhmilch hin-gewiesen, der sich auf einen koza- Umzug bezieht. Besondersdeutlich aber macht den Fruchtbarkeitszauber der Anfang einerKolenda aus der Sieradze- Gegend, der lautet:
Wo die Ziege herumgeht, dort gedeiht das Korn,
Wo sie hintritt, erstehen( ganze)( Getreide-) Mandeln 5¹).Trotzdem besteht bei den Polen die Meinung, die Ziege seivom Teufel erschaffen worden, der ihr, als sie ihm nicht mehrgehorchen wollte, den Schwanz ausriẞ 52).
V.
Das bisher Gesagte bezieht sich im allgemeinen auf das poini-sche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum des ganzen neunzehnten Jahrhunderts. Wollenwir hier noch eine historische Vertiefung geben, so müssen wiruns mit nur sehr wenigen Quellen begnügen.
Kitowicz, der als bester Gewährsmann für das achtzehnteJahrhundert herangezogen werden kann, beschreibt in seinenPamietniki einen Kolenda- Gang des Priesters mit dem Organisten,wobei er das Absingen von Liedern, das Examinieren der Kinderund das Beschenken der Kolenda- Sänger vermerkt, von einer Tier-gestalt aber kein Wörtchen erwähnt 53). Wir dürfen nicht ver-gessen, daß Andreas Kitowicz in späteren Jahren in den Priester-stand eintrat und er wahrscheinlich all das ihm heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisch Erschei-nende geflissentlich übersah.
Als Beweis dafür mag dienen, daß die Geistlichkeit bereitsim fünfzehnten Jahrhundert gegen das„ Gehen mit dem Pferd-chen" als eine Unzüchtigkeit wetterte 54). Und zwar heißt es imbesonderen bei Nikolaj Bloński um 1490:„ Sicut illi qui induuntlarvas et fingunt se cervos vel equos induentes saccos et qui hoc
50) Vägledning för besökande I, Livrustkammaren och därmedförenade samlingar. Uppsala 1921, Inv. Nr. 188, S. 30. Abb. bei AdolfPira, Tvänne horn af ur i Lifrustkammaren( Fataburen, 1906, S. 204).51) Oskar Kolberg, Lud, Kaliskie, Teil I, 1890, S. 66.
52) Wladislaw Kosinski, Materialy etnograficzne zebrane w różnychokolicach Galicyi Zachodniej( Mat. antrop.- arch, i etnogr., Bd. VII, 1904.S. 31).
53) Oskar Kolberg, Lud, Mazowsze, Teil I, 1885, S. 97.
54) Aleksander Brückner, Encyklopedia staropolska, Warszawa,1935-37, S. 610 f.
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