Nach der Art der Aufmachung und der Verwendung vonEinzelteilen stammen beide Stücke aller Wahrscheinlichkeit nachaus der Hand des gleichen Herstellers.
II.
Bevor wir die eben besprochenen Objekte in ihrer brauch-tümlichen Funktion kennenlernen, wird es wohl angebracht sein,zuerst alle tiergestaltigen„ Masken" des polnischen Sprachraumeszusammenzustellen.
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Die vorherrschende Tiergestalt des polnischen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsist der Tur. Von vornherein müssen wir bei dieser Maske Gestaltund Namen streng auseinander halten und uns stets nach demNamen richten. Tur bedeutet soviel wie Auerochs 3), danebenaber kommen noch Formen wie toruń 4) und turoń 5) vor, die wohlals Ableitungen aus tur zu verstehen sind; ebenso wie die Dimi-nutiva turoniek und turzatiek 6). Da nun der Auerochs in Polen,und zwar in Mazowien im 17. Jahrhundert ein Horn des letztenAuerochsen( 1620) aus der Puszcza Sochaczewska befindet sichjetzt in der Livrustkammaren in Stockholm in Litauen abernoch früher ausgestorben ist, erscheint es durchaus verständlich,daß die richtige Vorstellung von ihm im Volke verblaßt und voll-kommen schwindet 7). Die unmittelbare Folge davon ist, daß dieTurmasken die ursprünglichen Züge vollkommen verlieren unddafür die Gestalt anderer Tiere annehmen. So kommt es, daßmanche Autoren entweder eindeutig feststellen, Toruń und Ziegesei ein und dasselbe 8), diese Ausdrücke gleichstellen 9), anderseitsdem Wort Tur die Bedeutung von Ochs geben 10) oder mit diesemNamen eine Tiergestalt mit Widderhörnern bezeichnen( Tafel-
3) Diese Übersetzung findet sich bereits auf der frühen Abbildungeines Auerochsen durch Herberstein, 1556( Aleksander Brückner,Encyklopedia staropolska, Warszawa 1937/1939, S. 738 f.).
4) Z. B.: Simon Matusiak, Das Volksleben der Polen( Die öster-reichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild, Bd. Galizien, Wien1898, S. 311 f.).
5) Aleksander Saloni, Lud rzeszowski( Materialy antropologiczno-archeologiczne i etnograficzne, Bd. X, Krakow 1908, S. 114 f.).
6) Zygmunt Gloger, Rok polski w zyciu, tradycyi i pieśni. 2. Aufl.Warszawa, o. J., S. 106 ff.
7) Aleksander Brückner, a. a. O.
8) Simon Matusiak, a. a. O.
9) Roman Reinfuss, Sztuka ludowa Podlasia Zachodniego( PolskaSztuka Ludowa, Bd. VI. S. 287); Włodzimierz Tetmajer, Gody i godnieświęta czyli okres Świat Bożego narodzenia w Krakowskiem( Mat.antrop.- arch. i etnogr., Bd. III, 1898, S. 173 f.).
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10) O. Kolberg, Lud, Mazowsze, Teil IV, Kraków 1988, S. 123.