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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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2. Die Zeit der bunt bemalten Leinenkleider( 1460-1492)

Diese Zeit bringt zunächst in der Kleidung eine große undbunte Mannigfalt. Die bevorzugten Farben, die während derganzen Zeit vorkommen, sind Weiß, Rot und Blau. Die ebenfallswährend der ganzen Zeit vorkommenden Ornamente sindFlammen und Gewölk( in der Art der Heraldik) sowie Flämm-chen( heraldisch gelegentlich Funken genannt). Die Farbe derOrnamente ist meist weiß, öfter auch gelb. Die ganze sehr präch-tige Ornamentik macht einen teils heraldischen, teils volkstüm-lichen Eindruck, häufig erscheint das mi- parti( gerade abgeteilt).Die Schembartfarbe setzte sich gelegentlich sicher aus heraldischenElementen zusammen. Sie besteht z. B. 1493 aus den Wappen-farben der Familie Tucher. In Ser. nova 2977 ist abweichend vonden übrigen Handschriften bei 1493 nicht Sebald Tucher sondernSebald Teichsler( mit seinem richtigen Wappen!) als Hauptmannangegeben. Die Hüte sind fast immer mit Federn, Federstößenund langen Seidenbändern verziert.

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Die ersten vier Jahre zeigen keine Besonderheiten, nur diezweite Rotte von 1463 ist ganz in Longold( Goldlahn) gekleidet.Von 1464 bis 1477 ist die Bemalung am reichsten. Es tauchennacheinander neue Farben auf( Schwarz, Gelb, Violett immer,, Braun" genannt und Grün). Als Ornament dienen außerFlammen und Wolken vor allem Disteln und Rosen auf grünenZweigen, Rosetten, Kleeblätter, Eichenblätter, die Ziffer, 3"sowie Sonne, Mond und Sterne. In dieser Zeit( 1475) wurde dieerste Hölle", ein Drache auf einer Schleife, mitgeführt. Schongegen Ende dieser reichen Zeit zeigen einige Ratsverlässe dienahende Krise an. Das Interesse wendet sich vom Schembart-laufen ab und den Fastnachtspielen zu. So werden 1476 13 Rottenerlaubt, 1477 alle Rotten, die um Bewilligung angesucht hatten.Die Schembartläufer trachten augenscheinlich, etwas Neues zubieten, sie nehmen das einfach aus einem Spiel, welches um die-selbe Zeit an vielen Orten belegt ist, das Spiel vom Ritter Georgund der Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau Margareta.

In diesem Spiel sind zwei Legenden von Drachenheiligen zueiner sinnvollen Einheit verschmolzen. Sinnvoll deshalb, weil dieneue Handlung einfach nach dem Muster einer Erzählung vomTypus der Perseussage gebildet ist( vgl. Grimm, KHM 60). DieJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau soll dem Drachen geopfert werden und wird vom RitterGeorg befreit. Der Drache wird aber nicht ganz getötet, damitdas zweite Legendenmotiv in Erscheinung treten kann. Margaretafesselt nun den Drachen mit ihrem Gürtel und führt ihn in dieStadt zu ihren Eltern. Das Spiel wurde hauptsächlich bei Fron-

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