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Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
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Aus dem ladinischen Südtirol, das einstmals manchen Masken-brauch besessen hat und von wo sich gute eigenartige Maskenin verschiedenen Museen befinden 275), ist in unserer Zeit nurdurch Hans Nagele der Fahnen- Bund von Canazei bekannt-gemacht worden, der Holzmasken verwendete 276). Die hier imFassatal auftretenden Typen der lacche, der marrascun undder buffon" bildeten einen Hochzeitszug. Eine Ausweitung derMaskenforschung in den romanischen Alpenraum scheint drin-gend geboten. Einmal nach der venetianischen Seite hin, von derso viele Anregungen gekommen sind, die oberschichtlich- historischin der Geschichte der Commedia dell' arte schon faẞbarwerden 277). Dann nach Süden zu, wo Trient mit seinem herge-brachten Zweiparteienspiel der Chiusi und der Gobbi immerweiter anregend bleiben sollte 278). Schließlich nach dem Westenhin, wo in Piemont noch mancher hierhergehörige Zug erhaltenist. Beispielsweise das Habergeiß- Spiel am Berlingaccio in Castel-loro d'Asti 279). Unser Wissen um das mitteleuropäische Masken-wesen bleibt sehr stückhaft, wenn wir nicht die Erscheinungenam Alpensüdfuß verbreitungsmäßig miterfassen, und unser Urteilüber das alpine Maskenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Maskenbrauchtum, vor allem in Tirol, wird ohneausführliche Kenntnisnahme dieser Erscheinungen in diesem Ge-biet überhaupt immer schwankend und gewissermaßen ein-seitig bleiben.

8. Kärnten

Die Maskenbräuche Kärntens sind bei weitem nicht in demUmfang gesammelt und bearbeitet wie die Tirols. Oswin Morohat schon 1935 einen bemerkenswerten Ansatz in den gemischt-

275) z. B. Österreichisches Museum für Volkskunde, Inv. Nr.14.101-102, zwei Riesenmasken aus Moena im Fassatal.

276) Hans Nagele, Der Fahnen- Bund von Canazei( Der Schlern,Bd. XXIV, 1950, S. 386 ff.).

277) Vgl. Heinz Kindermann, Die Commedia dell'arte und dasdeutsche Volkstheater(- Kaiser Wilhelm- Institut für Kunst- und Kul-turwissenschaft, Bibliotheca Hertziana in Rom. Veröffentlichungen derAbteilung für Kulturwissenschaft. I. Reihe, Vorträge, Heft 12)Leipzig 1938.

Zum venetianischen Maskenwesen: Philipp Monnier, Venedig imachtzehnten Jahrhundert. München 1928. S. 127 ff.

278) Christian Schneller, Volksleben der Romanen in Tirol( Dieösterreichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild, Bd. Tirol undVorarlberg, Wien 1893, S. 304 f.).

279) Ferdinand Herrmann, Beiträge zur italienischen Volkskunde( Heidelberger Akten der von Portheim- Stiftung, Bd. 23) Heidelberg1938. S. 30.

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