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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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ten Rollen des( fiktiven) Kulturkontexts: Teufel, Dämonen, der hl. Georg, Lazarus u. a.Die Typologie der Vermummung reflektiert also Elemente des fiktiven und realenLebenshorizontes. Zugleich enthält jede Figur in nuce eine( ausgeführte, verkürzte odernicht ausgeführte) Aktion: das Brautpaar die Hochzeitsparodie, der Richter das Ge-richtsspiel usw. Doch meist sind die Typen multifunktional und können in Dromena sehrverschiedene Rollenfunktionen übernehmen: so der, Araber"( Mohr Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohr), der Bräutigam,der König u. a. Die wichtigste Figur einer Gruppe scheint dabei die Braut zu sein, oderauch das Brautpaar, das beschützt wird: Symbol der virtuellen Fertilität und dynamisti-sches Bedeutungszentrum. Deshalb ist das Brautstehlen( oder das Küssen der Braut) einabsichtlich herbeigeführtes oder mit allen Mitteln verhindertes, in jedem Falle aber be-deutungsvolles Ereignis. Die einfachste Form der Metamorphose ist die Geschlechtswech-selverkleidung, nicht bloß ein einfacher Kleidertausch, wenn man an den Kodex der Ver-haltensvorschriften für Mann und Frau denkt. Auch die Braut wird fast immer voneinem Mann gespielt. Beim Brautpaar kommt es hier noch zu keiner richtigen Rollenbe-ziehung, es handelt sich um einen komplementären Bedeutungskomplex virtueller Fertili-tät. Deutlich lassen sich auch schon zwei Atmosphären unterscheiden, die in vielenVolkstheaterformen simultan anzutreffen sind: Würde und Gravität, Pathos und naiverErnst, daneben Ausgelassenheit und Überschwang, Deftigkeit und Laszivität. DieserDichotomie entspricht die Verwendung von Festtracht und Lumpenverkleidung, ausderen diffuser Stimmungslage sich langsam soziokulturell orientierte Singulärtypen aus-formen und in den Dienst der Sicherung der Eueterie gestellt werden.

1.7.2.2.1. Zwölftenkalanda

Die Sammelumzüge der ρουγκατσιάρια u. a. tragen noch starke Züge theriomorpherVer- Kleidung oder der Festkleidung. Sie fallen hauptsächlich in den Zeitraum zwischenNeujahr und Theophanie, können sich aber in speziellen Fällen bis zum Karneval hin-ziehen und werden mit ihm identisch. In der strengeren Gruppierung( puerile Adoles-zenz- Initiation) und dem strikteren Von- Haus- Zu- Haus- Gehen hebt sich der Zwölften-umgang doch deutlich vom Karneval ab. Das Brautpaar( von- yoμmpòs) und derAraber( apánys) gehören zum stehenden Figurenrepertoire. Araber und Bräutigam kön-nen aber auch zusammenfallen( beide entweder festlich oder dämonisch gekleidet). DieBraut, die immer von einem Burschen in( alten oder festlichen) Frauenkleidern darge-stellt wird, verkörpert das Zentrum der Gruppe: Sie wird vor Zugriffen mit Knüttelngeschützt, bekommt die besten Geschenke und küßt die Hände. Ihr Fertilitätscharakterist aber ambivalent: Kann es bei Übergriffen von Fremden ihr gegenüber bis zum Tot-schlag kommen, wird anderswo der Brautraub( als Dromenon) durch Zuschauer ge-stattet, oder Bräutigam oder Araber treiben laszive Scherze und eindeutige Späße mitihr. In jedem Falle aber konkretisiert sich das Vermögen der Kalandagruppe, Glück undKraft zu übertragen, personal im Brautpaar. Die dämonischeren Spielarten der Araber-verkleidung finden sich vorzugsweise in Thessalien, Makedonien und Thrakien. Manch-mal werden die Verkleideten auch direkt Kallikantzaroi genannt. Während das Bewußt-sein der Ausführenden selten der Identifikation mit Dämonen gewahr wird, ist dasWissen um den fertilen Finalhorizont der Metamorphose überall evident, das Wissennämlich, daß es um Polyteknie und Ernteerfolg, um Eueterie und Prosperität von Fa-milie und Kommunität geht.

1359) Kapnavtalia. I. Lygaria( 279, 7 d). II. Theophanie. III. Große Kinder spieleneinen Bärenführer mit Bärin, eine Braut mit Bräutigam, einen Alten mit Alter,einen Arzt, einen Fettsammler"( λãs) und gehen auf Sammelumzug. Lästigewerden mit einem Aschensack geschlagen; am Ende wird am Dorfplatz getanzt.IV. Würste, Schweinefett usw. V. Hs 1565/1972: 96.

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