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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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wieweit die Symbolbedeutung der mitgeführten Gegenstände den Ausführenden selbstbewußt ist u. a. m.

Die Teilhomogenität des in Frage stehenden Kulturraumes, die Inkongruenz derhistorischen Ereignisse seiner einzelnen Sektoren und die Dysanalogie in den sozialen undwirtschaftlichen Strukturen der verschiedenen Regionalzonen führen zu gewissen Vorbe-halten bezüglich der Vergleichbarkeit von Simultanerscheinungen über größere Räumehinweg; die Generalisierung der Detailangabe ist in diesem Falle- jenseits des Vorbe-halts gegenüber induktiven Methoden- zweifach suspekt und daher, fällt sie unter einegewisse arithmetische Repräsentativitätsgrenze, für eine allgemeine Morphologie nichtmehr verwertbar. 168 Hat die Balkanologie einige Grundkonstanten der Brauchtums-aktivität Glossar ::: zum Glossareintrag aktivität in Südost- Europa festhalten können( wie eben die Kalanda), die sich aus einerälteren historischen Schicht rekrutieren, so ist die Darstellung des Wandels in der Kom-paratistik rezenter Formen methodisch sehr anspruchsvoll. 169 Durch die Miteinbeziehungsingulärer Erscheinungsformen könnte man Definitionen wie die von Bächtold-Stäubli 170 oder morphologische Darlegungen wie die von Siuts, 171 formale Kate-gorisierungsversuche wie die von Lukopulos- Petropulos 172 und material- undproblemaufschließende Fragelisten wie die von Megas 173 ergänzen, bestätigen odermodifizieren, würde durch die Anführung singulärer Ausnahmeerscheinungen der Varia-tionsspielraum nicht zu sehr in die Breite gezogen, ohne ein Bild vom anzahlmäßigenDichtegrad der Einzelformen zu geben, was dazu führt, eine Formenvielfalt da als ge-geben zu sehen, wo sie doch nur eine Ausnahme bildet. Deshalb scheinen Variable wiedie Teilnahme von Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunern, Kalanda zu Pferde usw. in der morphologischen Darstel-lung nicht auf, sondern sind direkt aus der Materialdarstellung zu entnehmen.

4) Chorologie

Die phänomenologische Bestandsaufnahme der Fülle oikotypischer Erscheinungs-weisen von Bräuchen kann die lokalgeographischen und sozialbedingten Determinantendes Einzelfalles nicht mitberücksichtigen. Die klimatologischen, wirtschaftlichen, demo-graphischen und historischen Voraussetzungen sind nur in einer sich auf einen Mikrobe-reich konzentrierenden Arealmonographie transparent zu machen. Im Sinne der deskrip-tiven Präzision und Detailerfassung ist von den Fallstudien( Ortschaften) zu den Mikro-regionalstudien( Politische Bezirke, Provinzen) und weiter zu den Makroregionalstudien( Landesteile, Großlandschaften) bzw. Landesstudien( Griechenland, Albanien usw.) einprogressives Qualitätsgefälle festzustellen. Dieser unerwünschte Grad der Generalisie-rung, den die Großraumstudie mit sich bringt, wurde bei der Quellenselektion mitkalku-liert: Von 818 bisherigen Quellenangaben entfallen nur 7 auf Landesstudien, 44 aufMakroregionalstudien, 76 auf Mikroregionalstudien, 691 auf Fallstudien, der Rest ent-spricht nichtgeographischen Einheiten. Die chorologische Streuung des bisherigen Quel-lenmaterials, aufgeschlüsselt nach den Großlandschaften bzw. Verwaltungseinheiten der

das nächtliche Fest zu organisieren. Mit der Rückkehr zum Ausgangspunkt schließt der Umgang- im übertragenen Sinn, seltener reell- eine Kreisbewegung ab. Da der Besuch aller Häuser,außer solchen, in denen Trauer herrscht, obligatorisch ist und nach einem festgelegten Sukzes-sionsprinzip erfolgt, kann man, unabhängig vom tatsächlichen Wegverlauf, doch zu recht voneiner Zyklokinese sprechen.

168 Als Illustration, wie man die Detailangabe oft in den Fußnoten zu Statistiken findet,wird sie schon durch ihre Erwähnung überbewertet.

169 Dazu Schmaus, 1963: 221 ff. mit weiterführender Literatur.

170 HDA I, 1190 f.

171 Siuts, 1968: 118 ff.

172 Lukopulos- Petropulos, 1949: 1 ff.

178 Megas, 1951: 3, 35 ff., 43 ff., 84 ff., 89 ff., 94 f., 113 f. für die wichtigsten Kalan-datermine.

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