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der Weihnachts- und der Osterzyklus. 50 Rechnet man den Kreuzanbetungssonntagund Pfingsten als von Ostern abhängige Festtermine dem Osterzyklus zu, so bleiben nurnoch die März- und Maikalanda als bloß epochal fixierte Zeremonien übrig.52 Nachdem so erlangten Schema ergeben sich für die Sammelumzüge neben den beiden großenekklesiastischen Festzyklen zwei nicht liturgisch gebundene Termine, einer im erstenFrühlingsabschnitt vor Ostern, ein zweiter im zweiten Frühlingsabschnitt nach Ostern,wenn man der Terminologie von Siuts zur Epochenklassifizierung der„ Ansinge-lieder" folgen will.53
Die Zwölften( les Douze jours, i Dodici giorni, the Twelve days), die zwölf Tageund Nächte zwischen Weihnachtsfest und Epiphanie, sind in ganz Europa ein kritischerZeitraum, der eine Menge von Verboten, mantischen und apotropäischen Aktivitäten mitsich bringt.54 Es ist die Zeit, wo die Kallikantzaroi auf die Erde kommen. 55 Nach ver-schiedenen oikotypischen Vorstellungen sind sie Totengeister, auch Hebräer, oder einfachKakodaimones.56 In Morphologie und Onomatologie dieser Dämonen herrscht im Bal-kan und im Vorderen Osten weitgehende Übereinstimmung: Allen gemeinsam ist dieHäßlichkeit. Jeder der Kallikantzaroi hat ein anderes somatisches Gebrechen: Einäugige,X- Beinige, Schiefmündige sind unter ihnen. Sie sind zwergen- oder riesenhaft, habenlange Haare, rote Augen, Eberzähne, Affenarme, übermäßige Körperbehaarung 57( Hypertrichose), lange spitze Krallen und einen oder zwei Eselsfüße. Sie sind äußerst be-weglich( Eukinesie), klettern auf Dächern herum und steigen durch die Rauchfänge indie Häuser ein.58 Sie sind nackt oder tragen Lumpen, haben eisenbeschlagene Schuheoder Hufe.59 Die Kallikantzaroi nähren sich von Würmern, Schlangen, Echsen usw.,aber auch von Eßwaren, die sie im Haus finden. Manchmal haben sie auch Frauen und
durch eine
50 Beide sind auch jenseits der allerdings akzentsetzenden SammelumzügeReihe besonderer Aktivitäten, Mythen und Vorstellungen zu einem geschlossenen Brauchbündelzusammengewachsen. Neben den schon genannten methodischen Grundlagenwerken berücksichti-gen auch die meisten Sammelwerke die Autonomie beider Festkreise in der Kategorienbildung:Denn sie sind Höhepunkte nicht nur des orthodoxen Kirchenjahrs, sondern auch des paganenEpochenablaufs. Vgl. etwa: Karapatakis, 1971, Lukatos, 1960, K. A. Romaios,1956: 305 ff., oder die Einteilung des serbischen Jahreslaufs bei Schneeweis, 1935 oder desdeutschen bei Siuts, 1968.
51 Nach der orthodoxen Heortologie fällt er auf den dritten Sonntag der Osterquadragesimaund markiert die Mitte der Großen Fasten.
52 Anzuführen ist auch noch der 25. März, Mariä Verkündigung, an welchem Tag Schlan-genvertreibungskalanda durchgeführt werden. Sinnobjekt ist jedoch nicht die biblische Schlange,sondern das reale Tier. Dieser Schlangenvertreibungsumzug findet auch an anderen Terminen,z. B. dem 1. Mai, statt.
53 Siuts, 1968.
54 Lukatos, 1960.
55 Nach K. A. Romaios, 1955: 264 ff. ist die übliche Schreibweise mit zwei-l- un-richtig, da die Vorsilbe nicht vom altgr. Kalli- sondern von„ kalos" kommt. Dort auch weiter-führende Literatur.
56 Als Alpgeister findet man sie in Serbien( Schneeweis, 1935: 155), ähnlich inMakedonien( Eckert/ Formozis, 1943 a: 33 ff.) und im Pontus( Eckert/ Formo-zis, 1943 c: 24 f.). Lukatos( 1960) nimmt auf die Wintersonnenwende Bezug, wo die bösenGeister die Sonne bekämpfen, in Kappadokien sind sie Totendämonen( Lukopulos- Pe-tropulos, 1949: 65) oder Hebräer, die den neugeborenen Christus jagen( K. A. Romaios,1956: 305 ff.).
57 Kretzenbacher, 1968 a: 22 bezeichnet die Hypertrichose geradezu als Charak-teristikum der kyno- bzw. lykokephalen Dämonen. Dazu auch Vlachos, 1971: 236 ff.
58 Dadurch erhalten die Kalandaformen in Kappadokien Nr. 823-826 ihre besondere Be-deutung, weil sie genau den Wegen der Dämonen folgen. Das Apotropäum ist daher besonderswirksam.
59 Wie später zu zeigen sein wird, ist genau diese wahllose Lumpenverkleidung die erste undprimitivste Glossar ::: zum Glossareintrag primitivste Form der Verkleidung.
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