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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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1.3.1.2. Heortologisch nicht fixierte Lieder

( Datenverschiebungen, improvisierte Lieder, Abweichungen von der üblichen Ausführung)

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Unter den heortologisch nicht fixierten Liedern tritt vor allem das Schwalbenliedam Märzanfang hervor, das die Ankunft der ersten Schwalbe besingt, Zeichen des Früh-lingsbeginns. Es wird im folgenden ausführlich besprochen. Die Datenverschiebungder Kalanda ist eine häufig zu beobachtende Erscheinung: Die Umzüge werden nicht nurvom Festtag auf den Vortag oder noch weiter zurück verlegt, sondern es vermengen sichdie Anlässe: Am Palmsamstag wird eine Marienklage gesungen, am Palmsonntag einMailied, am Theophanietag Karnevalslieder usw. Dieser, Kontagiosität von unzusam-mengehörigen Terminen und Liedern scheint die Differenz von christlicher Heortologieund dem paganen, jahreszeitlich orientierten Festkalender zugrunde zu liegen und so,innerhalb der jeweiligen Epoche, eine relative Austauschbarkeit der Lieder und Datenzu gestatten. Diese latente Manipulierbarkeit legt eine Brauchregression nahe, dieSinnverlust impliziert. Nur die Rekonstruktion der Umstände der Entstehungszeitbzw. der Epoche der Ausübung liefert einen Zugang zum Verständnis der fossiliertenRelikthandlung. Manche Sonderformen der Umzüge sind daher aus der Quellen-situation kaum erklärbar. Bei der freien Liedimprovisation oder der alljährlichenNeudichtung der Lieder( Sifnos) ist zwar die Gefahr der Stagnation nicht gegeben, wohlaber die der thematischen Überwucherung durch Motive, die mit dem eigentlichen Fest-anlaß nichts zu tun haben. In dieser Dynamisierung verbal fixierter Inhalte bei konstan-ter Ausführungsstruktur zeigt sich, daß die legomena" variabler sind, leichter aus-tauschbar, als die ,, dromena".

383) Wnk. I. Lixurion( 275, 6 c). II. Vortag bzw. Mitternacht. III. Kinder mit Triangelsingen in Häusern und Geschäften. Früher gingen auch die Erwachsenen mit Gi-tarre, Mandoline und Violine und sangen bis zum Morgen. Um Mitternachtzieht eine Musikgruppe umher und spielt ,, Stille Nacht, Hl. Nacht". V. Hs 1354/1971: 54 f.

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385) Wnk. u. Njk. I. Athinai( 77, 4 b). II. Gegenwart. III. Kinder, Blinde und Krüppel Glossar ::: zum Glossareintrag  Krüppelziehen mit einem Plattenspieler am Zentralmarkt umher. V. Hs 1598/1972: 27 f.386) Njk. I. Kefallonia( 6 c). II. Vorabend bis tief in die Nacht. III. Groß und Kleinzieht mit Laternen und Instrumenten liedersingend umher. Eigene Loblieder( xonλévtα) werden in den Städten auf die Adeligen vorgetragen. Jedes Liedendet mit dem ,, buonamano"( μлovaµã), der Aufforderung zur Gabenspende.Auch improvisierte satirische Lieder kommen zum Vortrag. In Lixurion( 275, 6 c)und Argostolion( 61, 6 c) ist der Gesang mehrstimmig und fast symphonisch per-fekt. Das Neujahr wird mit Höllenlärm begrüßt. Am Neujahrsmorgen ziehenwieder Musikanten um, die den Refrain der Kalanda wiederholen. V. Luka-tos, 1960: 8 f. VI. Weitere Quelle: G. Molfetas,' Huspolóytov too Zilaviouτοῦ ἔτους 1900, ἐν Κεφαλληνία, σ. 72-76.

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387) Wnk( xóavta). I. Sisani( 455, 8 g). II. Vorabend. III. Kinder singen: Koliada,Babo, Koliada/ und mir Koliadina,/ und gibst du keine Koliada,/ dann gib mirdeine Tochter./. Was willst du, Esel, denn mit meiner Tochter?/- Siezwicken und sie küssen,/ daß sie mich wärmt am Abend." IV. ,, Wir machen kleineBrote, die wir ,, koliada" nennen; sie sind rund. Wir backen sie im Ofen oder imTopf, und wenn die Kinder kommen und uns die Koliada singen, geben wir ihnendavon." V. Defteraios, 1967/68 b: 386.

392) Wnk. I. Alepochorion( 35, 12 a). II. Weihnachtsfasten. III. In den 40 Tagen dervorweihnachtlichen Fastenzeit bildet die Dorfjugend zwei Halbchöre mit je einemAnführer und sie singen ein Lied über die Schwangerschaft Marias. 19 V. Efthy-miu, 1952: 267 ff.

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