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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
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,, Mit Nadel und Faden auf Leinen geschrieben"

Zur Kärntner Flachstickerei

Von Franz Koschier

Die volkskundliche Abteilung des Landesmuseums für Kärnten( einstigesKärntner Heimatmuseum) verzeichnet unter ihren Beständen eine Reihe von bürger-lichen und bäuerlichen Flachsticharbeiten, die als Decken oder Polsterüberzüge mitrosa Leinengarn oder farbenfroher Schafwolle auf Hausleinen gestickt wurden.

Es wird noch zu untersuchen sein, inwieweit die bestickten Gailtaler Ledermän-tel ,,, kožuh" genannt, solche Flachsticharbeiten angeregt oder beeinfluẞt haben,die von der, im Sinne der Förderungsmaßnahme für den wirtschaftlich armen Berg-bau, im Jahre 1874 in Bleiberg gegründeten Kunststickerei- Schule- von der zu Be-ginn dieses Jahrhunderts eine kleine Hausindustrie ausging- gepflegt wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg nahm sich die Kärntner Landsmannschaft durchdie Herausgabe von farbigen Musterblättern um diese Arbeiten an, die von denHandarbeitslehrerinnen der späteren Bleiberger Haushaltungsschule, namentlichvon Frau Olga Markowitz, derzeit in Villach, bis heute fortgesetzt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Kärntner Heimatwerk durch eine eigenePauserei und nun auch durch eine Filmdruckerei die Erhaltung und Weiterentwick-lung der im Rosen- und Gailtal üblichen Flachstickerei ermöglicht. Da sich bei die-ser Aufgabe die Pflege und Erneuerung, die museale Tätigkeit und Heimatwerkideeverbinden, sei dieser Beitrag dem Jubilar, der Forschung und Pflege aufs beste ver-einigt, zugeeignet.

,, Geschrieben" nennt man, nach Heisig, in Siebenbürgen die Flachstichmuster,die ungebunden, farbenfroh die Leinenflächen füllen und schmücken. Sie sind nichtan die rasterförmige Unterlage, wie beim Kreuzstich, gebunden; freier in der Mu-sterwahl können ihre Linien nun ausschwingen, die geradlinigen Blütenstiele derKreuzstichmotive sind hier durch kunstvolle Blätterranken ersetzt.

Auch diese Arbeiten sind ein Bestandteil einer einst breiten, brauchtumsgebun-denen Glossar ::: zum Glossareintrag denen Gemeinschaftskunst, sind namen- und zeitlos, und sprechen, wie jede echteVolkskunst, ihre Bildersprache. Ihre Sinnbilder( Symbole) entstammen derPflanzen- und Tierwelt, heben sich einfärbig( rosa oder weiß) oder farbenfroh( mehrfärbig), frei und beschwingt vom weißen Leinen- oder lichten Lederunter-grund ab. Sie entstammen zumeist der Vorstellungswelt und dem Kunstempfindender bäuerlichen Mutterschichte unseres Volkes.

Wir begegneten in Kärnten dem Flachstich in der Goldstickerei der Boden- undBürgerinnenhauben, als Weißstickerei bei der Bett- und weiblichen Körperwäsche( Bluse), bei den farbenfrohen Miedersteckern( Brustlätze) der tirolisch beeinflußten

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