Vorwort
In dem Augenblick, da in der kulturpolitischen Diskussion wieeine solche soeben in Wien in Gang gekommen ist auf die einstigeGeltung der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt Wien als histo-risches Zentrum des alten Vielvölkerstaates an der Donau hingewie-sen wird, um auf die mögliche Vermittlerrolle der heutigen Bundes-hauptstadt auch als mitteleuropäische Metropole aufmerksam zumachen, dürfte den Museen und öffentlichen Sammlungen, die nochim alten Österreich entstanden sind und somit über einen entspre-chend weiten Sammlungshorizont verfügen, eine besondere und kei-neswegs allseits bedachte Bedeutung zukommen. Das mag vorzüglichauch für das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien gelten,welches von seinen Gründern Michael Haberlandt und Wilhelm Heinim Jahr 1895 als Museum der Länder und Völker der seinerzeitigencisleithanischen Reichshälfte der österreichisch- ungarischen Monar-chie konzipiert und aufgebaut worden war. Von seinen Sammlungenher gesehen, hat das Österreichische Museum für Volkskunde offen-sichtlich unbeachtet von der maßgebenden Öffentlichkeit seit Jahr-zehnten geleistet, was heute in der Tagespolitik als neuzuschaffen-des" Kronländer- Museum" gefordert wird. Freilich war in Wien überJahrzehnte hinweg die Zeit nicht dazu angetan, zukunftsorientierteMuseumskonzepte zu formulieren und in die Tat umzusetzen, wodurchnicht zuletzt die äußere Weiterentwicklung des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde zu einem für Wien unerläßlichen und für dieBundesländer der heutigen Republik sowie für die Nachfolgestaatender alten Monarchie wirklich repräsentativen Volkskundemuseum be-hindert blieb. Aus diesem Grund verlief denn auch die jüngere Ent-wicklung des Österreichischen Museums für Volkskunde in den letz-ten eineinhalb Jahrzehnten auf eine Dezentralisierung hinaus, die auf
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