Stadtvolkskunden. Zu einem Genre der österreichischen Volkskunde
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,, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum“ und„ Volksgüter" stehen seitenmäßig in guter Relation undauch der Einleitungsteil zu Lage und historischer Entwicklung der Stadtsowie die in 20 Punkten zusammengefaßten„, Erkenntnisse" erscheinen imgroßen und ganzen ausgewogen. Analog zu Leopold Schmidts Arbeit ver-weisen in der Linzer Monographie die Überschriften der Unterabschnitteebenfalls auf die gewichtige Stellung der Sachgebiete des gängigen volks-kundlichen Kanons. Während Schmidt aber das Neue, das spezifischStädtische vorwiegend in das Kapitel„ Großstadtwuchs" stellt, ist es beiCommenda unsichtbarer, versteckter. Lediglich Überschriften wie etwa,, Leibesübungen“,„ Verkehr“,„ Schulen“ oder„ Gaststätten“. ― wenn auchfragwürdig der Rubrik„ Gemeinschaften“ zugeordnet- lassen aufhorchenund die Berücksichtigung städtischer Entwicklungen ahnen.
Dieser Befund wird bei der Beschäftigung mit dem Inhalt der LinzerStadtmonographie schließlich auch erhärtet. Denn vor der Folie derGemeinschaftsgebundenheit des einzelnen wie auch des Kollektiven woll-te Commenda dem gegenseitigen Kulturaustausch von Stadt und Land,von Ständen und Schichten, von Vergangenem und Gegenwärtigem nach-gehen, um auf diese Weise„ vor allem die bewegenden Kräfte imStadtvolkstum aufzuzeigen" 26. Dementsprechend dachte er, dieKulturphänomene nicht nur in ihrer„, historischen Tiefe auszuloten" 27, son-dern ihr Erscheinungsbild vor allen Dingen in Bezüge zur städtischenGegenwart zu setzen und, ebenso wie Leopold Schmidt, möglichst auchneue Phänomene festzuhalten.
Summa summarum läßt sich für beide Werke jedoch eine verstärkthistorische Ausrichtung konstatieren, die zudem häufig gleichgerichtet istin den Details. Ein Beispiel: Leopold Schmidt führt etwa für dieFaschingszeit die besondere Tanzlust der Wiener an, die bereits in derBarockzeit auf den Hoffestlichkeiten, aber auch auf den privatenHausbällen ihren Ausdruck gefunden habe und die über Lanner undStrauß unter anderem mit„ Polsterl- und Hahnentanz" Wien„ dasGepräge einer Tanzstadt“ gegeben hätte. Der Großstadtrand wäre im 19.Jahrhundert durch die Wäschermädel- und Fiakerbälle mit„ Dudeln",,, Paschen“ und„ Schnaderhüpfeln" gekennzeichnet, ebenso wie mancheWiener Vororte durch die, wenngleich spärlichen Straßenumzüge. Für dieGegenwart, also für die mittleren dreißiger Jahre ist lediglich festgehalten,daß das in der Biedermeierzeit vereinzelt durchgeführte, öffentlicheFaschingbegraben mittlerweile dem Schmücken von lastenziehenden