Der Wiederbeginn der Volkskunde in München inForschung und Lehre nach 1945
Felix Karlinger
Die Universität München nahm ihre Tätigkeit im Frühjahr 1946 wieder auf undrechnete den ersten Abschnitt als„, Wintersemester 1945/46". Daran schlossen sichohne Unterbrechung das ,, Sommersemester 1946"( August bis einschließlich Oktober)und das ,, Wintersemester 1946/47"( November bis Februar) an. Wer studieren wollte,benötigte nicht nur den ,, Spruchkammerbescheid"- den ,, Persilschein", wie man ironischdiesen Nachweis politischer Unbedenklichkeit nannte-, sondern er mußte auch einebestimmte Zahl von Stunden( wenn ich mich richtig erinnere 10) in den Ruinen derUniversität unbezahlt Schutt schaufeln oder sonst am Wiederaufbau Hand anlegen.
Volkskunde als selbständige Disziplin gab es nicht; das Fach war im ,, DrittenReich" stark politisch belastet worden und der Besatzungsmacht verständlicherweisesuspekt.
So existierten lediglich Vorlesungen und Übungen bei anderen Disziplinen, wel-che volkskundliche Fragen behandelten. Das traf etwa in der Germanistik zu, woFriedrich von der Leyen, dem 1934 durch die Nationalsozialisten sein Lehrstuhl in Kölnaberkannt worden war, neben mittelhochdeutschen Themen abwechselnd auch überMärchen oder Sagen las oder Übungen abhielt. Er hat aus diesem Bereich auch Skriptenpubliziert, die sehr begehrt waren, ehe um 1950 herum wieder Bücher von der Leyenserscheinen konnten, so wie er auch seine Serie ,, Märchen der Weltliteratur" wiederfortsetzte.
Daneben kam Otto Basler durch seine Lehrtätigkeit über Mundarten, Berufsspra-chen, Sprichwörter und Redensarten volkskundlichen Interessen entgegen.
In der Romanistik wirkte Gerhard Rohlfs, der nicht nur Dialekte in seiner Lehrtä-tigkeit akzentuierte, daneben auch Brauchtumsfragen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsfragen gerade im Zusammenhang mitder Sprache, sowie Fragen des Hausbaus und der häuslichen Geräte berücksichtigte.
Ähnliches konnte man etwas später auch beim Slavisten Alois Schmaus studieren.In der Musikwissenschaft behandelte Otto Ursprung das Volkslied und auchWalter Riezler- eigentlich Beethoven- Spezialist- hielt Übungen zur Volksmusik.
201