Druckschrift 
Bergbauüberlieferungen und Bergbauprobleme in Österreich und seinem Umkreis : Festschrift für Franz Kirnbauer zum 75. Geburtstag
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

Die Steirischen Bergmusikanten" von Friedrich Reinhold

Von Leopold Schmidt, Wien

Das Österreichische Museum für Volkskunde konnte vor einigen Jahren eine zart-linige Bleistiftzeichnung erwerben, auf der fünf Musiker dargestellt sind. Die Berg-tschakos und Schirmmützen mit dem Gezähe im Schildchen erwiesen einige der Musikersogleich als ,, Bergmusiker", so daß sich die Zeichnung von Anfang an dem Interessen-gebiet von Franz Kirnbauer zuweisen ließ. 2 Daher soll die genauere Veröffentlichungder Zeichnung nunmehr hier in der ihm gewidmeten Festschrift erfolgen. ³

Das Büttenpapierblatt( 26 X 37 cm) war in einem vergoldeten Profilrahmen mitEckauflagen unter Glas aufbewahrt. In gleicher Form wurde ein Gegenstück dazu ange-boten, die Zeichnung eines Bergschlosses, das handschriftlich als, Schloß Rabenstein"kenntlich gemacht war. 4 Die Blätter wurden als Arbeiten von Friedrich Reinhold demJüng. angeboten. Auf der Rückseite des Bergmusikantenblattes steht allerdings mitBleistift Hans Canon" angeschrieben, doch handelt es sich dabei sicherlich um eineFehlzuweisung. Das Blatt gehört wie sein Gegenstück, die Darstellung von Rabenstein,in die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts, nicht in die Lebenszeit von Hans Canonetwa dreißig Jahre später. Vielleicht hat also ein Vorbesitzer den Namen aus irgend-welchen Gründen einmal draufgeschrieben, möglicherweise, um der Zeichnung einenhöheren materiellen Wert zu verleihen, da der Name Canon immerhin bekanntergeblieben ist als der des längst vergessenen Spätbiedermeiermalers Friedrich Reinhold.Auch thematisch fügt sich das Blatt in Reinholds Werk ein, in das Canons dagegen garnicht.

Das Blatt stellt also fünf Musikanten dar, die ungefähr halbkreisförmig Auf-stellung genommen haben und nunmehr auf ihren Instrumenten aufspielen. Die größteFigur, der Waldhornbläser links, steht ganz am Bildrand und blickt ganz leicht nachrechts, die anderen Figuren treten etwas zurück, bis zur fünften, dem zweiten Klarinet-tenspieler, der schon mit nach links gewendeten Profil gezeigt ist und damit die Gruppeschließt. Der Waldhornbläser links trägt einen Kurzrock, vorne offen, eine Stiefelhoseund Halbstiefel. Auf dem Kopf trägt er einen Tschako mit Schirm, ein Federbuschscheint links seitlich aufgesteckt. Ihm folgt ein Harfenist. Er trägt einen Langrock,wahrscheinlich eine lange Hose, einen Tschako mit Schirm, und hier ist der aufgesteckteseitliche Federbusch ganz deutlich zu erkennen. Er spielt auf der pedallosen Harfe,

1 Österr. Museum für Volkskunde, Inv. Nr. 65.545. Erworben in der 1287. Versteigerungder Kunstabteilung des Dorotheums in Wien, vom 13. Jänner 1970, Kat. Nr. 278.

2 Kirnbauer, Franz: Bausteine zur Volkskunde des Bergmanns, oder: BergmännischesBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum(= Leobener Grüne Hefte, Sonderband Heft 36). Wien 1958. S. 97 f.: FahrendeBergmusikanten.

3 Ein vorläufiger Hinweis: Schmidt, Leopold: Die Sammlung alter Volksmusikinstru-mente des Österreichischen Museums für Volkskunde( in: Die Geige in der europäischen Volks-musik. Bericht über das 1. Seminar für europäische Musikethnologie St. Pölten 1971. Redigiertvon Walter Deutsch und Gerlinde Haid,= Schriften zur Volksmusik, Bd. 3, Wien 1975.S. 124 ff.).

4 Zu Rabenstein vgl. Dehio- Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs. Bd. Steiermark,von Eberhard Hempel und Eduard Andorfer. 3. Aufl., Wien 1956. S. 214 f.

170