Bergmännische Mettenschichten wiedererweckt und
mit neuem Geist erfüllt
Von Josef Schiermeier
Der Bergmann hat seit alters her eine tiefe Bindung an das Übernatürliche. Fast ausjedem Kulturkreis sind Beispiele bekannt, daß dieser erdverbundene Stand eine besondereStellung in der jeweiligen Gesellschaftsordnung eingenommen hat. Es ist daher natürlich,daß eigenständige bergmännische Formen von Tänzen, Liedern, Trachten, Sagen,Kobolden und heiligen Patronen bekannt sind. Den Bergleuten war es auch schon immereigen, ihre Standesfeste aus ihrer Arbeit heraus zu gestalten. Es sei erinnert an dasBarbarafest, die Durchschlagsfeiern von Stollen und Schächten, an Bergfeste, die zur100jährigen Wiederkehr des Bestehens eines Bergbaus, zur 500jährigen, ja sogar zur1000jährigen Wiederkehr abgehalten werden. Diese Feste zeigen meist den Charakterder Darstellung der Arbeit und des Wesens des Bergmannes nach außen.
Eine eigene Art der Feier sind die ,, Mettenschichten“ und„, Schachtabende". DieseFeierstunden dienen und haben immer schon dem eigenen Kreis, der Selbstbesinnung undder bergmännischen Tradition, gegolten. Aus der Überlieferung kennen wir derartigeFestformen aus der Frühzeit der Montanistischen Hochschule Leoben, aber vor allemauch aus dem sächsischen Bergbaugebiet. Dort vor allem reicht diese Art der Feier imHarz und im Erzgebirge bis in das Mittelalter zurück. Innerhalb des Bergbaus derehemaligen Habsburger Monarchie sind Bergmannsweihnacht untertage und besinnlicheStunden zur Adventzeit da und dort überliefert und zum Teil auch heute noch in Übung.Es läßt sich somit sagen, daß bergmännische Tradition in Tracht und Festgestaltungmeist ganz bestimmten Bergbauzentren und Epochen blühenden Bergbaus zugeordnetwerden können. Es sind jedoch auch einzelne Personen bekannt, die oft maßgeblichenAnteil an der Förderung und am Weitergeben von Traditionen haben. Es sollen hier nurdie sächsischen Könige und als Beispiel aus der Habsburger Monarchie Kaiser Maxi-milian I. genannt sein. Es darf jedoch auch klar zum Ausdruck gebracht werden, daß beiden absolutistischen Herrschern sehr viel Selbstdarstellung und wirtschaftliches Engage-ment die Triebfeder zu solchen kulturellen und traditionellen Zielsetzungen beinhaltete.Erst im 19. Jahrhundert kennen wir in der Steiermark einen Mann, der ähnliche Be-deutung für den Bergbau hatte, wie einzelne Herrscher aus früheren Zeiten. Es ist hiersicher widerspruchslos der Name Erzherzog Johanns zu nennen. Bei ihm war die Auf-gabe von seiner Familie und von ihm selbst für das Land Österreich gestellt.
In den hektischen Zeiten des 20. Jahrhunderts ging viel bergmännisches Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumunter und fiel der Vergessenheit anheim. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Einstellungder Menschen zu ihrem täglichen Tun hat eine tiefgreifende Änderung erfahren. So istes auch selbstverständlich, daß Männer, die sich um ein neues Berufsbild des Bergmannesbemühen, andere Voraussetzungen haben mußten als die oben Beschriebenen.
Der stille Kristallisationspunkt vieler Bemühungen um eine erneuerte Bergmanns-tradition ist FRANZ KIRNBAUER, der es in selbstloser Einstellung immer wiederschaffte, maßgebende Männer der Wirtschaft für seine Vorstellungen von bergmänni-scher Tradition und heutigem bergmännischen Berufsbild zu interessieren.
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