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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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Die Sicheln an den Bandelieren

Tragen sie umgehängt, in ihren

Köchern von Feigenholz. Sie wandern Paar um Paar,Flöten und Tamburin begleiten

Den Zug. Die Binderinnen schreiten

Dicht an der Zweiradkarren Seiten 438).

Hier hat also der Dichter nicht nur das Gerät nochmals erwähnt, sondernauch den Werkstoff angegeben, aus dem diese Köcher" geschnitzt sind,nämlich das Feigenholz. Dieses für Gebrauchsgeräte doch selten heran-gezogene Holz mag bei den Sichelscheiden nicht ohne Grund verwendetworden sein. Es sind Geräte der Weiblichkeit, ja weibliche Götterbilder, dieim Mittelmeerbereich aus Feigenholz geschnitzt wurden, und so stellt sichdie an sich schon als weiblich anzusehende Gerätescheide nunmehr auch ihremMaterial nach in diesen geschlechtlich betonten Bereich. Das spricht also wohlfür Bedeutsamkeit.

Das Verbreitungsgebiet der Sichelscheiden fiel früher vielleicht mit demder voulame- Sichel zusammen. Es scheint jedenfalls auf diesem Gebiet vonden Pyrenäen bis in die Alpen hinein sehr bodenständig gewesen zu sein.Alte Gebietsgrenzen wie die der römischen Provincia( Narbonnensis)"dürften ziemlich genau ihre Hauptverbreitung umfassen. Dabei kann dasGerät aber älter als diese Grenzen sein. Die Verbindung von Südalpen undPyrenäen, die sich in seiner Verbreitung andeutet, ist eben an sich älter undvon historischen Grenzen eher unterbunden als gefördert worden.

II. Sensenscheiden

Geräte von scheidenartigem Charakter zum Schutz der Sense, aber auchzum Schutz vor der Sense, muß es früher in Mittel- und Nordeuropa mehr-fach gegeben haben. Die Nachrichten der letzten drei Jahrhunderte bezeugenein verstreutes Vorkommen auf österreichischem und deutschem Boden, daswohl dichter gewesen sein mag, als die Karte ausweist. In Schweden, wiebesonders in Estland und Finnland scheint das Vorkommen auch in derGegenwart noch dichter zu sen.

Sowohl der örtlichen Häufigkeit nach wie der Art der Ausführung ent-sprechend stehen die Südtiroler Sensenscheiden an der Spitze. Da die Stückeseit dem Beginn der sammlerischen Volkskunde in Österreich, aber auchdarüber hinaus, ihrer volkskünstlerischen Qualität halber gesammelt wur-den, ergibt sich aus den museal verwahrten Exemplaren ein deutlicherQuerschnitt durch die ganze Erscheinung 439). Es handelt sich durchwegs umgeschnitzte Holzscheiden, die alle dem engsten Umkreis einiger wenigerSchnitzer im nördlichen Südtirol entstammen müssen. Die meisten bekanntenStücke stammen aus dem Eisacktal und aus dem Vintschgau, wenige direktaus der Umgebung von Bozen, eines aus Villanders bei Klausen 440). DasTiroler Volkskunstmuseum verwahrt 17 Stücke, von denen nicht weniger alssieben aus Kastelruth stammen. Ein weiteres stammt aus Villnöß, eines ausLatzfons, die anderen werden dem Eisacktal im allgemeinen zugeschrieben.Der Gesamtstreubereich ist also sehr klein. Nur der Handel hat einigeStücke weiter vertragen 441), so daß das Schweizerische Museum für Volks-kunde in Basel Stücke besitzt, die John Meier einst in St. Moritz im Engadin

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