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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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lassen. Sie sollen nur die Vielfalt der Probleme aufzeigen, die vermutlichhier und bei den weiteren Anschlüssen an diese oder jene Seite des Stoffesvorliegen.

4. Wetzzauber

Bei der Behandlung der Schärfgeräte weiter unten ist darauf hinzu-weisen, daß die Wiederherstellung und Pflege der Schärfe der Schnittgeräteauf die verschiedenste Art mit Volksglaubensvorstellungen verbunden ist.Die Bedeutung der guten Schneide ist so groß, daß vielfach geradezu ängst-lich dafür gesorgt wird. Mitunter legt man auf die Gewinnung einer beson-ders guten, besonders dauerhaften Schärfe so großen Wert, daß vom ein-fachen magisch unterstützten Wetzen bis zur Teufelsbündelei gegangen wird.Umgekehrt schreibt man das Schwinden der Schärfe häufig und vielenortsnicht nur wirklichen, sondern auch außerwirklichen Ursachen zu.

Den größten Teil der hierhergehörigen Vorstellungen hat, insbesondersfür den nordischen Bereich, Rantasalo in gewaltiger Fülle zusammengetra-gen 219). Es erübrigt sich daher, hier darauf wieder einzugehen, zumal nurdie wenigsten glaubensmäßigen Erscheinungen mythische Beziehungen zuhaben scheinen. So sehr die Geräte selbst mythisch gestaltet erscheinen, dieWetzbräuche selbst sind bei weitem eher als magisch aufzufassen. Es magdies damit zusammenhängen, daß die Geräte ihrer Gestaltgebung nach älterals die im 19. Jahrhundert aufgezeichneten Glaubensvorstellungen sind. Siesind aus mythischen Vorstellungen heraus gestaltet worden, die besondersin den sozialen Unterschichten an Geltung eingebüẞt haben, soweit siediesen überhaupt geläufig waren. Diese haben dagegen ihre magischen Vor-stellungen beibehalten.

Die einzige Glaubensvorstellung mythischer Art, die mit dem Sensen-wetzen verbunden ist, soll deshalb hier den übrigen Wetzzaubervorstellun-gen vorangestellt werden. Es handelt sich um den Glauben an die besondereSchärfe, die durch das Wetzen der Sense mit einer Menschenrippe erzieltwird. Als nordgermanischer Glaube wurde im 19. Jahrhundert aufgezeichnet,daß man zur Erzielung einer immer scharfen Sense auf dem Kirchhof eineMenschenrippe ausgraben müsse; dazu beiße man ein Stück Menschenfett ab,lasse es im Mund zergehen, spucke es auf die Rippe und wetze damit dieSense, ohne daß jemand etwas davon wissen dürfe. Dieses Wetzen darfnur einmal des Tages geschehen und der Arbeiter muß sich in acht nehmen,nicht in die Schärfe der Sense zu blicken; denn dann ,, beiße" sie nichtmehr 220).

Dieser komplizierte Wetzglaube ist also reichlich magisch ausgestattet.Feilberg hat ihn zum Totenglauben gestellt. Eine von Rantasalo beigebrachtefinnische Parallele berechtigt dazu, da auch dort der Mäher den Knocheneiner Totenhand vom Kirchhof holen muß und mit ihm, unter Hersagungvon Eisenbeschwörungen, an der Sensenschneide hinstreicht ,,, was offenbar",wie Rantasalo schreibt, ,, den Zweck hatte, mit Hilfe des, Kirchenvölkchensalso der Toten alle Verhexung von der Sense zu vertreiben 221). Beider Besprechung der Schärfgeräte ist also darauf hinzuweisen, daß es sichhier aber doch primär wohl um die Verwendung von Knochen als Schärf-geräte handelt, wobei zunächst keine magischen oder totenkultischen Glau-benszüge mitspielen müssen. Vielleicht darf man bei der Verwendung gerade

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