sind Dinge, die im Hochzeitsbrauch am stärksten wiederkehren. Nimmt mandazu, daß Mäher und Binderin regelmäßig als Paar aufgefaßt werden, soscheint die Tatsache eines„ Zeitpaares", soweit es sich nicht sowieso bereitsum Dauerpaare handelt, durchaus im Bereich der Möglichkeit, und damitdie Ähnlichkeit mit dem Hochzeitsbrauch und Hochzeitsschmuck besondersnaheliegend. Es ist also selbstverständlich immer die Binderin, welche demMäher die Schanne" verehren muß. Aus all dem ergibt es sich, daß wir eshier nicht etwa mit rein magischen Brauchzügen zu tun haben. Ernst Burg-staller hat bei den eng verwandten Hochzeitsbräuchen gemeint, Bänder-schmuck und rote Farbe nur von magischen Gesichtspunkten aus erklärenzu sollen 168). Tatsächlich liegt wohl eine magische Grundhaltung vor, aberbereits mythisch stilisiert. Der Hochzeitsvollzug selbst ist Lebensmythos.Was ihn fördert, zu Abwehr und Hilfe, steigt daher aus dem ungegliedertmagischen Bereich gleichfalls in den mythischen auf. Der Erntevollzug selbstist Arbeitsmythos. Was ihn fördert, und zwar genau so durch Abwehr undHilfe, durch Bebänderung der Sense vor allem, mit Verwendung von lebens-frohen Blumen, lebenswarmem Rot, das ist daher auch nicht mehr reinmagisch, sondern eingegliedert in den mythischen Vollzug.
2. Endbräuche
Diese Mythisierung wird am stärksten fühlbar, wenn man die Einglie-derung der magischen Bestandteile in den Rhythmus des mythischen Brau-ches mitberücksichtigt. Was für den Anfang gilt, das gilt auch für das Ende.Beide Formen der Schnittsegnung treten daher auch als Endbräuche wie-der auf.
Das Radmähen, beziehungsweise seine verwandt erscheinenden Zeichen-Mähbräuche schließen mancherorts die Mahd, wie sie sie begonnen haben.,, In der Tamsweger Gegend machen sie beim Schluß des Mähens ein Kreuzmit zwei Streichen" 169). Anscheinend gilt die gleiche Beobachtung nicht nurfür den Lungau, sondern für mehrere Gegenden. Es liegt nur noch zuwenigBeobachtungsmaterial darüber vor.
Die Schmückung der Sensen in Ostniederdeutschland kehrt ebenfallsam Schluß des Schnittes wieder. So heißt es bei der Schilderung des„ Ver-godendel" in der Altmark:„ In festlichem Aufzug und unter Musik ziehendie Mäher mit geschmückten Sensen und die Binderinnen mit ihren Harkenvor das Herrschaftshaus" 170). Und ,, auf manchen Gütern der Prignitz wur-den die Leute nach der, Amts predigt mit Erntewagen aufs Feld gefahren,deren Pferde bandgeschmückte Geschirre trugen. Auch Peitschen und Sen-sen waren mit flatternden bunter Bändern verziert" 171). Das scheint fürBrandenburg ziemlich allgemein gewesen zu sein. Für Sofiental im Oder-bruch berichtet Brunner:„ Wenn... das Erntefest gefeiert wird, schmückendie Arbeiter Sensen und Harken mit roten Bändern und überreichen demHerrn eine Erntekrone, die auch mit einem rotseidenen Bande geschmücktist" 172). Das heißt, es kehren beim Endbrauch genau die gleichen Zügewieder, die schon die Anfangsbräuche charakterisiert haben. Allenthalbengelten dabei die Geräte, zumal die Sensen, als wesentliche Faktoren, siewerden ebenso geschmückt wie alle Brauchgeräte.
Von den Sicheln wird derartiges nur selten berichtet. Es sind Frauen-geräte, beim Kornschnitt häufig überhaupt nicht mehr beim Schneiden, son-
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