dieser Geräte hängen die mannigfachsten Vorstellungen zusammen. Die ver-brauchten Stücke gehen dennoch häufig noch einen eigenen Weg. In derSphäre des Glaubens sind es besonders die scheuchenhaft verwendetenGeräte, welche ins Auge fallen. Sichel und Sense dienen vielerorts als Vogel-scheuchen, und zwar besonders als Scheuchmittel gegen Raubvögel. EineSichel oder eine Sense, an eine lange Stange aufgesteckt oder in eine Baum-krone gehängt, soll gegen Raubvögel schützen. Das ist sicherlich in zahl-reichen Fällen empirisch erprobt. Das blinkende scharfe Eisen hoch überdem Hof dürfte den Räuber wirklich bis zu einem gewissen Grad abwehrenkönnen. Noch mehr wird man es freilich dem Gerät nur zuschreiben. Undan diesem Punkt kann die glaubensmäßige Bindung einsetzen. Wenn maneinmal glaubt, daß die alten Sicheln und Sensen schützen, dann glaubt manauch nicht ohne Grund. Zweifellos sind sie die beachtlichsten, größten schar-fen Geräte des Bauernhofes, und auch unschwer zu befestigen. Hing abervorher schon, gewissermaßen in ihrer aktiven Zeit, viel Vorstellungsgut anden Geräten, so ist dies doch so geblieben und man mag ihnen also mit-unter doch mehr als die empirisch feststellbare Wirkung zuschreiben.
Derartige Züge des Bauernglaubens lassen sich schwer erheben. Meistsind auch dementsprechend nur die Tatsachen selbst aufgezeichnet worden.Die Sichel scheint als derartiges Scheuchgerät seltener auf, die Sense häu-figer. Sicheln werden beispielsweise im niederösterreichischen Waldviertel,wo einmal eine verdienstvolle Sonderbefragung durchgeführt wurde 22), ver-wendet; man findet dort bei so manchem Einzelhof eine hohe Stange auf-gerichtet, auf der eine alte Sichel mit nach aufwärts gerichteten Enden, dasheißt also auch mit nach aufwärtsgerichteter Schneide, angenagelt ist: er-scheinungsmäßig gleich einem Sichelmond. Die Meinung lautet ,, damit derGeier kein Huhn hole" 23). Solche Stangen mit einer oder auch zwei Sichelndaran finden sich auch im nördlichen Burgenland in Verwendung 24). DieGebiete stehen volkskulturell in vielfältiger Beziehung zueinander.
In Süddeutschland sind es vor allem Sensen, welche ähnlich verwendetwerden. In Baden hieß es um die letzte Jahrhundertwende, hie und da seiennach oben gekehrte Sensenklingen in die Krone eines Gartenbaumes gebun-den gewesen 25). In Schopfheim in Nordschwaben band man eine Sense aneine hohe Stange über dem Taubenschlag, um die Tauben gegen Habichtezu schützen 26). Die Sensenklingen in den Obstbaumkronen dagegen sollten,, böse Geister abwehren" 27). Inwieweit diese Angabe auf guten Erhebungenberuht, läßt sich wohl kaum mehr entscheiden. Die Schopfheimer Aufzeich-nung wirkt bedeutend vertrauenerweckender, ob man sie nun mit den nie-derösterreichischen und burgenländischen Angaben zusammenhält, oder mitniederdeutschen: aus Braunschweig berichtet Richard Andree, daß man Sen-sen über die brütenden Hennen aufhing 28), und das mag keine andere Schutz-und Scheuchmaßnahme gewesen sein als die in Baden. Die Beispiele zeigenjedoch, wie nahe die empirischen und die glaubensmäßigen Erscheinungenzu einander stehen können. Beim Wetterzauber und Wetterschutz zeigt sichdas gleiche Verhältnis wieder.
Faẞt man von diesen Scheuchen die mit der Sichel nochmals ins Auge,so kann man wohl nicht umhin, auch dem Moment der Gestaltheiligkeit daranBeachtung schenken. Die empirischen wie die magischen Bezüge können dieTatsache nicht verschleiern, daß mit diesen Sicheln auf den Stangen auchgestaltmäßig die Sichel über dem betreffenden Haus und Hof steht. Das
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