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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
Entstehung
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Im Gegensatz dazu sei hier dargetan, daß wir es einmal weitgehend mitempirischen Vorstellungen zu tun haben, mit scheuchenhaften Verwendun-gen, die möglicherweise vor und außerhalb aller religiösen oder religions-nahen Deutungen stehen. Dann aber muß ausgeführt werden, daß das zwei-fellos große Feld der magischen Bedeutung von zwei Feldern des Volks-glaubens umfaßt wird, welche sicherlich andere Kulturschichten markieren,in denen die reine Magie nicht das Wesentliche war. Das ist einmal das Felddes Mythos. Als mythisch spreche ich dabei alle Vorstellungen an, welchedas fördernde Moment im Volksglauben in den Vordergrund treten lassen,und zwar den Sinn des Heils, des Segens, der sich aus dem Gerät und seinerHandhabung selbst ergibt, wobei hinter beiden kosmische Vorstellungenstehen; zusammen ergeben diese Erscheinungen die zentrale der Gestalt-heiligkeit, welche vielfach das eigentlich wirksame Moment gewesen seinmuß. Auf diesem Feld des Volksglaubens hat die Sichel als heilige Gestaltfördernd gewirkt, von einer rein empirischen oder einer rein magischenHaltung kann dabei nicht die Rede sein. Diese mythische Schicht ist an-scheinend noch sehr undeutlich zu fassen, an ihrem Vorhandensein gibt esaber infolge der zahlreichen Parallelen wohl keinen Zweifel mehr. Daszweite der beiden Felder, die bisher neben dem magischen kaum berück-sichtigt wurden, ist das kultische. Sichel und Sense als Opfergerät und alsOpfergabe sind weder rein aus mythischen Vorstellungen, auch wenn diesesehr maßgeblich daran beteiligt gewesen sein dürften, noch aus rein ma-gischen Gedankengängen heraus zu verstehen. Der Kult hat auch seineeigene Wesenheit. Da aber Kult ganz wesentlich Handlung ist, sind dieZeugnisse, besonders die greifbaren Funde, hier sehr spärlich. Ein Teil derNachrichten über kultische Handlungen wird zudem nicht hier, sondern erstbei der Behandlung des Schnitterbrauches seinen Platz finden können.

Zwischen mythischer Überlieferung und Kult liegt also hier das Felddes Abwehrglaubens, das stark magische Züge trägt. Bei näherem Zusehenergibt sich freilich, daß auch hier ganz Unterschiedliches zusammentritt:Wetterzauber, Elbenglaube und Totenabwehr lassen sich nur ganz ober-flächlich auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Der Wert, den Sichel undSense für diese so heterogenen Gebiete besitzen, ist demnach sicherlich auchkein einheitlicher und kaum auch aus einer ursprünglich einheitlichen Grund-haltung abzuleiten. So wird man auch auf diesem Feld des Volksglaubensmit einer Vielzahl von anregenden Möglichkeiten rechnen müssen, und dieGeltung der Ernteschnittgeräte immer wieder auch diesen selbst, ihrerEigenart, zuschreiben.

1. Scheuchenhafte Verwendung

Glaube und Brauch beginnen zu allen Zeiten, ob es sich innerhalbdieser um aufsteigende, dauernd wirkende oder verklingende Vorstellungenvon religiöser Bedeutung im weitesten Umfang handelt, mit Wirklichkeits-zusammenhängen. Wahrnehmungen der Wirksamkeit lassen Gestaltungenentstehen, die von magischen, mythischen oder kultischen Vorstellungenirgendwie berührt sein können, aber nicht unbedingt berührt sein müssen,die ihrem empirischen Gehalt nach auch allein dastehen und weiterwirkenkönnen. Das ist vor allem auf dem Gebiet der Verwendung alten, aus-gedienten bäuerlichen Gerätes festzustellen. Mit den Stoffen und Gestalten

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