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Felix Schneeweis
ÖZV LI/ 100
,,... Als der Wiener Verein für Volkskunde im Jahr 1894 durch MichaelHaberlandt, Wilhelm Hein und Moritz Hörnes zum Zwecke der, Erfor-schung aller Äußerungen des Volkslebens in den im Reichsrathe vertre-tenen Königreichen und Ländern' gegründet wurde, schlug auch dieGeburtsstunde des Österreichischen Museums für Volkskunde, das sichbekanntlich heute noch im Besitz des Vereines befindet. Damit aberbegann in Österreich eine zwar mit dem ausdrücklichen Schwerpunkt inder cisleithanischen Hälfte der Doppelmonarchie, aber doch bald auchdas ganze Ost- und Südosteuropa erfassende Sammeltätigkeit, die be-sonders im ersten Vierteljahrhundert des Bestehens des Museums unge-ahnte wissenschaftliche Schätze nach Wien brachte.
Und all das Gesammelte kam unter den Direktoren Michael undArthur Haberlandt auch zur Ausstellung, natürlich nur in einer musealvertretbaren Auswahl. So konnte man noch in den letzten Kriegstagendes Zweiten Weltkrieges in den Schausammlungen dieses Museumseinen Querschnitt durch die osteuropäische Volkskunst bestaunen.
Das änderte sich mit der Installierung der neuen Direktion im Jahre1945 mit einem Schlage². Alles was nur im Verdachte stand, mitOsteuropa in irgendeinem Zusammenhang zu stehen, verschwand imDepot. Und damit die gesamte Darstellung der ost- und südosteuro-päischen Volkskulturen. Nach und nach gelangten zwar einige wenigeStücke wieder in die Schausammlung, aber nur unter der beschrif-tungsmäßigen Tarnkappe als altösterreichisches, soll heißen volks-deutsches Kulturerbe.
Damit war aber niemandem gedient. Und ich, der als wissenschaft-licher Bearbeiter und Betreuer der ost- und südosteuropäischen Ma-terialien an das Museum geholt worden war, mußte mich mit dersystematischen Bearbeitung und Deponierung, allerdings nach mo-dernen museologischen Gesichtspunkten in Richtung Studiensamm-lung zufriedengeben.
Selbstverständlich fällt in diese Zeit seit dem Frühjahr 1946 aucheine reiche Sammeltätigkeit, die die Bestände der Ostabteilung diesesMuseums beachtlich vergrößerte. Und ich selbst bereiste seit 1955noch all die Gebiete Ost- und Südosteuropas, die ich von meinerStudienzeit noch nicht kannte.
Jetzt aber kann ich getrost sagen, daß ich jede ost- und südosteu-ropäische Volksgruppe und ihren Lebensraum aus eigener Anschau-ung kenne; warum ich das sage? Weil erst durch solche intensive2 Unter Leopold Schmidt.