1997, Heft 4
Die Ethnographie des Kronlandes Galizien
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matij und Derevianka fallen. 22 Artur Haberlandt reiste 1910 im Auf-trag der Direktion des Museums für österreichische Volkskunde nachGalizien, um ,, die für Galizien noch etwas ungenügende Vertretungvolkskundlicher Objekte in den Sammlungen des Museums nachMöglichkeit zu fördern“ 23 Er besuchte dabei das DzieduszyckischeMuseum, natürlich die Ševčenko- Gesellschaft, das erzbischöflicheMuseum mit Schätzen kirchlicher ruthenischer Kunst und volks-künstlerischen Objekten besonders der Huzulen, Bojken und Lemkenund das städtische Gewerbemuseum, suchte aber auch eine Reihe vonPrivatsammlern auf 24, deren Unterstützung für die Sammlung galizi-scher Ethnographica für Wien er sich zu versichern bemühte.
Nicht uninteressant ist auch die Tatsache, daß ein allgemeinerBeitrag Michael Haberlandts 1896 über die Photographie im Diensteder Volkskunde mit zahlreichen Abbildungen aus Galizien und derBukowina illustriert ist. 25
Die größeren Aufsätze und kleineren Mitteilungen2 umfassen in-haltlich ein breites Spektrum mit drei deutlichen Schwerpunkten:Volksüberlieferungen und Volksglaube, Hausindustrie und Volks-kunst und Fest- und Brauchforschungen. Der Überhang der Beiträgeüber Erzählungen, Lieder und Glaubensvorstellungen läßt sich mitder Verankerung der Autoren in der anfangs hauptsächlich literarischorientierten Ševčenko- Gesellschaft erklären und mit der frühen phi-lologischen Ausrichtung der nationalen Volkskunden überhaupt. Mitder Gründung der Ethnographischen Sektion der Gesellschaft 1895und der polnischen Ethnographischen Gesellschaft ebenfalls 1895verbreiterte sich das Themenspektrum deutlich.
Durch das museale Interesse, dem die Zeitschrift für Österreichi-sche Volkskunde vornehmlich verpflichtet war- der Verein arbeitetebekanntlich an der Schaffung eines österreichischen Völkermuseumsin Wienkonzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Produkteder Hausindustrie und auf sonstige verzierte Erzeugnisse, die mandamals unter dem Terminus ,, Volkskunst" subsumierte. Daher er-scheinen Beiträge über die textile Volkskunst der Ruthenen, über
22 ZfÖVK, IX/ 1903, S. 176.
23 ZfÖVK, XVII/ 1911, 83- 85.
24 Es erscheinen die Namen der Sammler und Kustoden Dr. Sternschuß, Dr.Wegrzynowski, Prof. Laska, Herr L. Feigel, Dr. Swiecicki, Wl. Stroner.
25 ZfÖVK, 11/1896, 183–186. Als Photograph wird Custos J. Szombathy genannt.26 Vgl. ÖZV Register 1- 44, Wien 1944, 19632, 27- 28.