Druckschrift 
Ethnographie ohne Grenzen : Galizien in den Sammlungen des Österreichischen Museums für Volkskunde ; [Begleitveröffentlichung zur Ausstellung "Galizien. Ethnographische Erkundung bei den Bojken und Huzulen in den Karpaten" im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 6. Juni bis 2. November 1998 ; österreichische Beiträge des Symposions " Ethnographie ohne Grenzen ; die Anfänge der volkskundlichen Sammlung und Forschung in den Karpatenländern in ihrem zeitgenössischen Kontext und ihre Bedeutung für heute", vom 12. bis 13. November 1996 in Lemberg, Ukraine]
Entstehung
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Klaus Beitl

ÖZV LI/ 100

2. Es kann jederzeit auf Grund des vorhandenen Museumsmaterials derNachweis geführt werden, daß die Direktion des Museums für öst. Volkskun-de mit strengster Objectivität und Unparteilichkeit ihre Bemühungen auf alleVolksgebiete Österreichs in gleichem Maasse ausdehnt.

Allerdings hat die ehrerbietigst gefertigte Museumsdirektion in Galizien durch-aus nicht- trotz zahlreicher eifriger Bemühungen- die Mithilfe seitens der imLande ansaẞigen Fachkräfte finden können, wie anderwärts in Österreich, wassie in ihren Jahresberichten stets selbst öffentlich beklagt hat.

3. Behufs Beschaffung einer entsprechenden Vertretung der ZakopanerVolkskunst hat sich die Museumsdirektion seit Jahren mit der Direktion derFachschule in Zakopane, sowie mit dem Vorstande des Tatra- Museums inZakopane in Verbindung gesetzt; im Vorjahr hat der gefertigte Direktor anOrt und Stelle persönlich interveniert: alles ohne irgend einen Erfolg. Diegefertigte Direktion erhielt nicht einmal Antwort auf alle ihre diesbezügli-chen Schreiben; persönlich habe ich im Vorjahre über 140 Objekte in derUmgebung von Zakopane für das Museum erworben.

4. Gleichzeitig mit der an ein hohes Ministerium gerichteteten Eingabe hat sichdie galizische Liga an unser Museum mit gleichen Gravamen gewendet. DieDirektion richtete sofort an die Liga- unter genauer Darlegung der Verhältnis-se, wie oben auseinandergesetzt- die Bitte, ihr weiterhin bei der Beschaffungvon galizischen Volkskundeobjekten behilflich zu sein, was die Liga auchzusagte. Der faktische Erfolg war bis heute gleich Null; es ist trotz der Verwen-dung der Liga, auch mit Unterstützung der galizischen Presse, nicht ein einzigesStück bisher an unser Museum von dieser Seite eingegangen, obwohl selbstver-ständlich gute Bezahlung für jedes Stück in Aussicht gestellt war. Nur auf demWege eigener rastloser Bemühungen gelingt es erfahrungsgemäss, die immerseltener werdenden volkskundlichen Dinge zu beschaffen. Dies ist auch heuerwieder von Seite der Museumsdirektion, soweit die sehr beschränkten Mittel.und die noch beschränktere Zeit, die dem Direktor zur Verfügung steht, gestat-teten, geschehen. Das Museum ist soeben wieder in den Besitz einer sehrwertvollen Sammlung westgalizischer Stickereien und ostgalizischer Kerami-ken( zumeist aus der bekannten Werkstätte des Bachminski in Kossow) nebstalten bemalten Kacheln von Sokal gelangt( 54)- im Vorjahr betrug dergalizische Zuwachs 131 Stück, darunter 2 Kostüme- und hat Aussicht nochweitere wichtige Erwerbungen pro 1910 aus Westgalizien zu machen.Der Vorwurf, daß das Museum für österreichische Volkskunde die galizischeHausindustrie und Volkskunst nicht genügend berücksichtige, ist daher ganzund gar unbegründet. Es muß im Gegenteil die berechtigte Klage erhobenwerden, daß diejenigen galizischen Kreise, die ein Interesse daran nehmensollten, trotz vielfältigster Bitten und Anregungen der Museumsdirektionsich nur in seltensten Fällen bemühten, dem Museum in Wien eine angemes-