1997, Heft 4
Lemberg Wien und zurück
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ANHANG 2
Brief der Direktion des Museums für österreichische Volkskunde an dasMinisterium für Kultus und Unterricht vom 1. Juni 1910.
Betr.: Entgegnung auf die Eingabe der Galizischen Liga für Industrie undGewerbeförderung bezüglich der angeblich ungenügenden Vertretung dergalizischen Ethnographie und Volkskunst im Museum für ÖsterreichischeVolkskunde.
MUSEUM FÜR ÖSTERREICHISCHE VOLKSKUNDEunter dem Protektorate Seiner k. und k. Hoheit des durchlauchtigstenHerrn Erzherzogs Franz FerdinandWien, I. Wipplingerstrasse Nr. 34.
Wien, am 1. Juni 1910.
Hohes Ministerium für Kultus und Unterricht!
Die ehrerbietigst gefertigte Direktion des Museums für österreichischeVolkskunde beehrt sich nachstehend über die angeschloßene Eingabe derGalizischen Liga für Industrie und Gewerbeförderung bezüglich der angeb-lich ungenügenden Vertretung der galizischen Ethnographie und Volkskunstin dem genannten Museum zu berichten:
1. Das Museum für österreichische Volkskunde hat in fünfzehnjähriger Sam-meltätigkeit und durchaus in eigenen Bemühungen- ohne die vielfach undoft erbetene Unterstützung der galizischen Fachkreise zu finden- c. 1200Objekte( abgerechnet die mehrere hundert Stücke zählende Ostereiersamm-lung) aus verschiedenen galizischen Landesteilen zusammengebracht, dar-unter 18 vollständige Volkskostüme aus Zakopane, Krakau, Ostschlesien( Wasserpolen) und Ostgalizien, zahlreiche Textilien, Stickereien, Keramikenund Hausindustriegegenstände. Ausserdem ist eine mehrere hundert Stückumfassende Sammlung von den Huzulen an der Grenze von Galizien und derBukowina vorhanden. Leider sind die einem hohen Ministerium wolbekann-ten gänzlich ungenügenden Raumverhältnisse im Museum für öst. Volkskun-de derart beschränkte, daß nur ein ganz geringer Bruchteil dieser galizi-schen Objekte, die als Textilien z.B. einen relativ sehr bedeutenden Platzbeanspruchen, zur Aufstellung gelangen konnte, ebenso wie dies bei denübrigen Volksgebieten im Museum der Fall ist. Von den mehrere tausendStück zählenden unvergleichlich wertvollen und prächtigen tschechoslawi-schen oder deutsch- alpenländischen Textilien konnte ja ebenfalls nur einverschwindender Bruchteil jederzeit zur Aufstellung gelangen.