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Klaus Beitl
ÖZV LI/ 100
Periode als akademische Disziplin zu institutionalisieren beginnt, 6 ineinigen Zügen herauszuarbeiten unter Hinzuziehung von bisherunbearbeiteten Archivalien betreffend die persönlichen und institu-tionellen Beziehungen zwischen der Volkskunde im damaligen Kron-land Galizien und in Wien.
Die Voraussetzungen für die Entfaltung der Volkskunde in Öster-reich von ihren frühen Ansätzen in der Aufklärung und Romantik zurselbständigen Wissenschaft sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts im Zeitalter des Positivismus und Liberalismus zu suchen.Damals fand die vorausgegangene Periode biedermeierlicher Samm-lung und Beschreibung ihren Abschluß, und mit der Anthropologi-schen Gesellschaft in Wien im Jahr 1870 wurde dortselbst die Grund-lage geschaffen für die späterhin erfolgte Etablierung des Vereins unddes Museums für österreichische Volkskunde in den Jahren 1894 und1895, womit das Fach Volkskunde in Österreich seine museale Gel-tung erlangt hatte und sein Ausbau als Hochschulwissenschaft einge-leitet wurde. Den gesellschaftspolitischen und geistesgeschichtli-chen Hintergrund für diese Entwicklung bildete die glanzvolle, zu-gleich aber von den Sprach- und Nationalitätenkämpfen zerrisseneSpätzeit der österreichisch- ungarischen Monarchie vor dem ErstenWeltkrieg.
Die zentrale wissenschaftlich- publizistische Leistung dieser Epo-che auch für die frühe Volkskunde stellt die hier zur Rede stehende,vom Kronprinzen Erzherzog Rudolf(* 21.8.1858 Laxenburg,+30.1.1889 Mayerling) angeregte und eingeleitete Gesamtdarstellung,, Die Österreichisch- ungarische Monarchie in Wort und Bild" dar.Der Kronprinz verstand die in diesem Werk zur Geltung gelangtenethnographisch- volkskundlichen Bestrebungen seiner Zeit sehr wohl,wie er bekanntlich eine betonte Neigung etwa für die wienerische
6 Dazu allgemein: Volkskunde als akademische Disziplin. Studien zur Institutio-nenbildung. Referate eines wissenschaftsgeschichtlichen Symposions vom 8. –10. Oktober 1982 in Würzburg. Hg. von Wolfgang Brückner in Zusammenarbeitmit Klaus Beitl(= Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde, Nr. 12;Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch- historische Klas-se, Sitzungsberichte, 414. Band). Wien 1983.
7 Schmidt, Leopold: Geschichte der österreichischen Volkskunde.(= Buchreiheder Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie Band II). Wien 1951,S. 95-96; Beitl, Klaus, Franz Grieshofer, Margot Schindler, Bernhard Tschofen:Österreichisches Museum für Volkskunde- Schausammlung zur historischenVolkskultur. Begleitbuch. Wien 1994, S. 7- 12.