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Kultur und Volk : Beiträge zur Volkskunde aus Österreich, Bayern und der Schweiz ; Festschrift für Gustav Gugitz zum achtzigsten Geburtstag
Entstehung
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Die Tellersaat ist hier also Osterbrauch. Während in den Donauländernweiter westlich bisher nichts derartiges bekannt ist, schließt eine Nachrichtaus Salzburg an. In einem Bauernhaus in Ramseiden bei Saalfelden ist esüblich, rechtzeitig vor Ostern Haferkörner in einem Schüsserl an einemwarmen Ort zum Keimen und Wachsen zu bringen, um dann kleine Zucker-eier zwischen die Halme zu legen, und dies einem Kind vom Osterhasenbringen zu lassen 36). Auch das also wieder Osterbrauch. In Tirol hat sichbisher auch ein derartiger Einzelbeleg gefunden, nämlich in Kufstein. Dortist es Brauch, daß am Nikolaustage Weizen in eine Schüssel gegeben undmit Wasser befeuchtet wird. Er fängt zu keimen und zu wachsen an. Wennzu Weihnachten der Weizen so beiläufig handhoch und dicht ist, gibt es eingutes Weizenjahr 37). Hier haben wir also wieder Weihnachtsbrauch voruns, nur mit dem Nikolaustermin als Ausgangstag, sonst ganz wie imBurgenland.

Diese spärlichen österreichischen Belege, die sich nun im nachhineinsicherlich vermehren lassen werden, erweisen schon das für den Brauch cha-rakteristische Schwanken der Termine. Was in der einen Landschaft Weih-nachtsbrauch ist, kann in der anderen Osterbrauch sein. In Deutschland istfast nur vom Osterbrauch die Rede. Er scheint hauptsächlich in Schlesienund im Erzgebirge üblich gewesen zu sein, von wo ihn Heimatvertriebenenun auch nach Bayern gebracht haben 38). Man sät da am Sonntag Lätare,drei Wochen vor Ostern, Getreide in eine mit Erde gefüllte Schüssel. ZuOstern ist dann das frische Saatgrün aufgegangen, in das der Osterhase diebunten Eier für die Kinder legt. Das ganze heißt man Ostergärtlein" 39).In dieser Form ist das wohl kein sehr alter Brauch, und vielleicht vonirgendwelchen, uns derzeit nicht geläufigen Mittelpunkten aus stilisiert.Aber die Grundlage muß doch älter sein, wenngleich die sonst sehr sorg-fältige Brauchtumssammlung Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumssammlung des 19. Jahrhunderts davon offenbar so gutwie keine Kenntnis genommen hat.

Alt herkömmlich und gut bezeugt ist das in vieler Hinsicht ganz nahverwandte Aussäen von Flachssamen zu Fastnacht im Bereich von Franken,Nordbayern und den ehemaligen deutschen Siedlungen vom Egerland biszum Böhmerwald 40). Da hat schon vor einem Jahrhundert Schönwerth inder Oberpfalz aufgezeichnet: So haben wir als weitverbreiteten Gebrauch,daß an den drey Fastnachttagen Lein in einen Topf gesäet wird; je nachdemder Same des ersten, zweyten oder dritten Tages zuerst oder am längstenaufgeht, weiß man, daß die Früh-, Mittel- oder Spätsaat anschlägt, undrichtet darnach das Säen ein. Oder man säet an der Narrenfastnacht drey-mal den Lein in Scherben, Morgens, Mittags und Abends zu gleichemZwecke" 41). Der gleiche Brauch ist ein halbes Jahrhundert später in West-böhmen festgehalten worden 42), der gleiche auch in der Rothenbaumer Ge-gend im Bezirk Neuern im Böhmerwald 43). Von diesem nordbayrisch- west-böhmischen Kerngebiet griff der Brauch offenbar sowohl nach dem frän-kischen Nordwesten 44), wie nach dem mährischen Südosten 45) aus. Im Nor-den, im Erzgebirge, könnte er sich mit dem Ostergärtchen berührt haben,so daß wenigstens die Fastnachtssaaten und die Ostersaaten hier im mittel-deutschen Grenzbereich zusammengehangen haben könnten. Freilich wardie Fastnachtssaat als Flachsbau- Orakel immer viel zweckgebundener alsdie Ostersaat, die bei weitem kindlich- spielerischer anmutet. Dagegen stimmtdie Flachssaat in ihrem Orakelgehalt mit der burgenländischen Weihnachts-

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