MITTELALTERLICHE EISENVOTIVE IN FRANKEN
VON JOSEF MARIA RITZ
Die Eisenvotive haben eine frühe Beachtung gefunden, sowohl vonSeiten der Forschung als des wissenschaftlichen und liebhabermäßigen Sam-melns. Eine besonders reiche Anschauung über zeitliche und landschaftlicheVerschiedenheit ermöglicht die Sammlung von Rudolf Kriss. Die Literaturhat sich seit Andree- Eysn mit diesem Forschungsstoff beschäftigt ¹). Wichtigist die Abhandlung von Rudolf Kriss„ Technik und Altersbestimmung dereisernen Opfergaben“ 2). Sie geht über das Thema hinaus und gibt eineÜbersicht über die gesamten einschlägigen Forschungsprobleme. Trotz alle-dem sind wir von einer umfassenden Kenntnis und Erforschung aller Fragenum die Eisenvotive noch ziemlich weit entfernt. Notwendige Vorarbeiten sindEinzeluntersuchungen über landschaftliches und örtliches Vorkommen. Insolcher Absicht soll auch hier in knapper Form das bisher Bekannte überEisenvotive in Franken zusammengestellt werden. Das Vorhandensein derEisenvotive ist auf dem Gebiet des bayerischen Stammes weitaus am dichte-sten. Man darf daraus zum mindesten schließen, daß hier ein Zentrum diesesOpferbrauches liegt. Ob das Vorkommen in anderen Landschaften als eineAusstrahlung von dorther anzusprechen ist, kann heute noch nicht endgültigentschieden werden. Jedenfalls ist der Verbreitungsraum der Eisenvotiveziemlich groß, er reicht von der Steiermark, dem Burgenland und Nieder-österreich im Osten über das alemannische Gebiet hinweg bis an dessen Zu-sammentreffen mit dem romanischen Volkstum in Elsaß- Lothringen und derSchweiz. Ein eiserner Opferarm findet sich z. B. in der Leonhardskapelle zuFreiburg in der Schweiz. Das nordwestlichste Auftreten der Eisenvotive istin Belgien festgestellt worden.
In Franken ist schon seit der Reformationszeit und die dadurch entstan-dene religiös- landschaftliche Gemengelage eine gewisse Verkümmerung desvolksreligiösen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums auch in katholischen Gegenden eingetreten. Dazugehört das verhältnismäßig frühe Abkommen des Eisenopferbrauches. Er istuns aus vorreformatorischer Zeit durch Funde bezeugt und auch später nochvereinzelt literarisch nachgewiesen.
Der 6. Jahresbericht des Historischen Vereins im Rezatkreis( Sitz Ans-bach) für 1835 berichtet S. 13 folgendes:„ Es seien verschiedene kleine Men-schen und Tiergestalten von Eisen, welche bei Feuchtwang gefunden durchdie Güte des Königlichen Landrichters Herrn Leidner eingesendet worden.Eine Viertelstunde südwestlich von Feuchtwangen in einem kleinen Tal sollnach der Tradition eine dem heiligen Leonhard geweihte Kapelle gestandenhaben, wovon der benachbarte Berg noch den Namen Leonhardsberg führt.Bei zufälligem Nachgraben an diesem Orte traf man auf eine gepflasterteStelle, auf welcher sich viele eiserne Figuren angehäuft fanden. Das wahr-scheinlichste ist, daß diese Figuren einer heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Gottheit oder auch demheiligen Leonhard als Patron der Haustiere zum Opfer gebracht wurden...
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