DER GEGENREFORMATION
VON KARL- S. KRAMER
Die Quellen für diesen Beitrag bilden in der Hauptsache die Gotteshaus-rechnungen( G) der Ortschaften Randersacker, Eibelstadt, Kleinochsen-furt und Frickenhausen(= R, E, K u. F). Die Rechnungen sind nicht über-all in gleicher Weise erhalten: In R reichen sie von 1630-1755, in E von1619-1767, in F von 1601-1775, in K von 1600-1617 und 1685-1792. Außerder großen Lücke in GK fallen auch in den übrigen Rechnungen einzelneJahrgänge aus. Verschiedentlich werden auch die Bürgermeisterrechnungen( B) der genannten Orte und einige Belege aus Ochsenfurt( 0) mitherangezogen ¹).
Der Inhalt dieser Quellen vermittelt ein außerordentlich anschaulichesBild einer sehr geschlossenen und einheitlichen Form des Zusammenlebensin den katholisch verbliebenen Orten des Maindreiecks. Es finden sich inreichem Maße Zeugnisse für das rechtliche Gemeindeleben mit seinen Höhe-punkten bei der Ämterbesetzung, beim Grenzumgang, bei der jährlichenVersteigerung des gemeindlichen Grundbesitzes und beim Rügegericht 2).Ebenso stark fließt die Quelle für das sogenannte profane Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum:Schützenfest, Fasnachtstanz, Kirchweih, Sternsingen, Jahresfeuer, Mahlzeitenan den hohen Tagen des Jahres. Arbeits- und Handwerksbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Handwerksbrauchtum spiegeltsich wieder in Einträgen über Verehrungen zur Getreide- und WeinernteKeltergans, Niederfall( als bäuerliches Fest), Deichselbrot und über Feier-lichkeiten zum Beginn oder Abschluß von Bauarbeiten Grundsteinlegung,Richtfest, Niederfall( als Handwerkerbrauch) und ähnliches mehr 3). Undnicht zuletzt erstreckt sich dieser farbige Abglanz vergangenen Lebens aufdas kirchliche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum. Es bildet, wie alle übrigen genannten Bereiche,Recht, festliches Gemeinschaftsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Gemeinschaftsbrauchtum, Arbeit und Alltag, ein lebendigesund unlösliches Glied im Aufbau dieser Kleinwelt, die ihren wesentlichstenAusdruck im Zusammenleben, Zusammensorgen und Zusammenfeiern findet.Das Grundgefüge des Daseins ist in allen Orten gleich: im Dorf K, in denMärkten F und R, in der Kleinstadt E. Wirtschaftlicher Rückhalt ist derWeinbau, geistiges und geistliches Zentrum die nahegelegene BischofsstadtWürzburg.
Die Erschütterungen der Reformation sind nicht spurlos vorüber-gegangen. In allen Ortschaften hat die neue Lehre Anhänger gefunden.Nachbarorte, die nicht wie die genannten zugleich in geistlicher und welt-licher Abhängigkeit von Würzburg standen, sind geschlossen zum Protestan-tismus übergetreten und sind dem neuen Bekenntnis durch alle Wirrnisseder folgenden Jahrhunderte treu geblieben. Ihre alltäglichen Beziehungenzu den fürstbischöflichen Orten sind nie abgerissen. Auf religiösem Gebietaber sind die Gegensätze scharf ausgeprägt. Das ist schon aus der Landschaftabzulesen: protestantische Gemeinden und die zugehörige Flur sind frei vonBildstöcken, die in den katholischen Dörfern und Dorfmarken ein charakte-
153