In früheren Zeiten war es wohl allein das Rorate, das mit dem erstenAdventsonntag die Weihnachtszeit ankündigte, jene Frühmesse, die ihrenNamen hat von dem alten Hymnus„ Rorate coeli". Dem Erhörung suchendenGläubigen bedeutet ein Rorateamt besonders viel. Schon vor der Schilling-,Mark- und Kronenzeit wurde für ein Rorate 1 Guldi gezahlt, während 50Kreuzer die Gebühr für eine stille Messe waren. Früher waren in denMontafoner Gemeinden die Rorateämter fast alle gestiftet. Es gab manchenMontafoner, der vor dem Sterben ein kleines Kapital, eine versicherte Schuld,bestimmte, deren Zinsen der Pfarrherr für Rorateämter einziehen durfte.Am Bartholomäberg zum Beispiel gab es zuweilen bis zu zehn solcher Stif-tungen, deren ein besonderer„ Einzieher" zur gegebenen Zeit sich erinnerte.Leider sind die Bubenchöre mit ihren frischen Stimmen nicht überall mehrim Rorate zu hören. Wer es noch erlebt hat, weiß, wie der Organist in derKlausenzeit manchesmal bös wurde, wenn viele Nüsse und der nasse Schneeunsere Kehlen rauh gemacht hatten.
In den letzten zwei, drei Jahrzehnten hat sich in der nichtbäuerlichenSchicht unseres Tales die Sitte des Adventkranzes rasch verbreitet,und im häuslichen Kreis klingt wohl manches der Lieder, auf die wir imRorate und auch in den Weihnachtsmessen so oft umsonst warten. Auch aufdem Friedhof erscheint der kleine grüne Kranz wie, weit allgemeiner, zuWeihnachten das Tannenbäumchen. Für das Brauchleben fruchtbarer nochwäre das schöne Symbol des Kranzes mit den vier Kerzen, wenn nicht ,, dasGeschäft" sich seiner angenommen hätte. Auf dem Weg über das Schau-fenster kommt genau wie etwa beim Friedhofbrauch im allgemeinenein Zug in die neue Sitte, der mehr auf Pracht und Aufwand als auf Sinn-erfüllung zielt. Ein Klagelied wäre freilich überhaupt anzustimmen, wollteman auf die groben Entstellungen eingehen, die alter guter Brauch durchdie übertriebene, unbescheidene Tüchtigkeit der Handelswelt und der Groß-stadtindustrie erleidet zu Neujahr, zur Osterzeit, zum Muttertag, besondersaber am Nikolaustag und zu Weihnachten. Es ist ein Unfug, einen großenChristbaum ins Schaufenster zu stellen, gar schon im November. Der groß-städtische Nikolo- und Krampusbetrieb ist in unserem alemannischen Landunerwünscht und überflüssig. Der Krampus als Spaßmacher für die Großenund Fastnachtsbälle für die Kleinen! Geschäftemacher sind da am Werk.Aber auch farblose Lesebücher der Volksschulen, die auf die Eigenart derAlpenländer wenig eingehen, bereiten diesem Einfluß den Weg. Ein anderes,aber verwandtes Kapitel ist die Anmaßung aller möglichen Vereine, aberauch der Betriebe, Büros und Schulen, solche Bräuche an sich zu ziehen, dienur in der Familie oder in der religiösen Gemeinschaft ihren rechten Sinnund Platz haben.
Solche Rügen sollen uns aber nicht übersehen lassen, daß Sitte undBrauch selber etwas Lebendiges sind und im Laufe der Jahrzehnte, in or-ganischem Wachstum, ihr Gesicht ändern. So sehen wir, daß in abgelegenenund konservativen Montafoner Gemeinden- es sind dies fast nur noch derganze„ Berg" und das Silbertaldas Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Weihnachtszeit andereZüge trägt als in den Gemeinden an Bahn und Autostraße, die dem Einflußdes Fremdenverkehrs und dem weit stärkeren der Kraftwerkeindustrie aus-gesetzt sind.
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Die wesentlichsten Merkmale des älteren Brauches in unserem Talewaren folgende: Der Klaus und seine Gesellen, der Klausenknecht oder das
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