Eine örtliche Besonderheit ist es, daß die aus Stücken der Palmruten verfertigten kleinenKreuze nicht wie sonst in der Sprachinsel am Karfreitag an die Stalltüren genagelt wer-den, sondern in Ebenthal, Altlag, Göttenitz und Koflern am Vorabend von Dreikönig,und zwar nach dem Sprengen. Die Form der kleinen Kreuze ist entweder die üblichedes aufrechten Kreuzes oder die des schrägen Malkreuzes.
Den Unrat, der in allen drei Weihnachtsnächten und in der Faschingsnacht zusam-mengekehrt wurde, konnte man dem Nachbarn hinwerfen. ,, Damit bringt man das Un-kraut auf des Nachbarn Hof"( Masereben).
Auf Weihnachten, Neujahr und Dreikönig verteilt sich der Brauch, die Hühner ineinem Reifen oder Kreis zu füttern, zu Dreikönig mit Bröseln vom Shipling. Das wurdebereits im Kapitel über die Gebildbrote näher ausgeführt.
Aus 19 Orten habe ich schließlich Berichte über das Sternsingen.„, Sternsingen, dasist schön"( Tschermoschnitz).„ Nach Neujahr sind sie gekommen, die mit dem Stern undsingen. Sie haben einen Siebreif hergerichtet als Stern mit einer Kerze drin und haben ihnauf einem Stock getrieben( gedreht). Im Zimmer haben sie zu singen angehebt und sindniedergekniet:, Wir beten das kleine Kindl an... Sie haben hochdeutsch gesungen. DerStern war mit Goldfransen und Zacken ausgearbeitet und vergoldet. Jeder hat einen Sackgetragen, sie haben Getreide oder Geld bekommen"( Masereben). Die Lieder sind meistwohlbekannt: ,, Kleines Kindelein, großer Gott" oder„ Wir sind drei Herrn mit unseremStern". Nur in Mairle ist ein„ gottscheabarisches" Lied erwähnt.„ Zu hl. drei Könighaben sie draußen beim Fenster gesungen und sie haben müssen Speck hinausgeben. Wennsie nichts gegeben haben, haben sich die Singer gewalzt im Schnee, dann hatte man Un-glück"( Ober Gras).„ Nach dem Dreikönigstag ist Weihnachten aus, der ist der letzteWeihnachtstag."
11. Vergleiche, Schlußwort
Wir sind am Ende nicht nur dieses Kapitels, sondern des gesamten Ganges durch dasBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Gottschee. Mit den wissenschaftlichen Betrachtungen zu den so reichenAdvents- und Weihnachtsbräuchen verbindet sich ungesucht im Rückblick auf allesGesagte auch der weitere Ausblick. Deutlicher zeigen sich die Umriẞlinien der Volks-kultur dieses altösterreichischen Außenpostens in der Überschau. Rufen wir uns einigesnochmals ins Gedächtnis:
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Die Gottschee brachte eine- wenn auch kleine städtische Siedlung und eigeneOberschichte hervor. Ihr Eigentliches ist aber die Volkskultur dieses im Grunde dochWaldbauerntums. Die Volkskunde hat daher bei der Erforschung dieses Sprachinsel-stammes eine entscheidend wichtige Rolle, zusammen mit der Sprachforschung und derGeschichtsforschung. Nach dem Ende der Gottscheer Eigenständigkeit galt es, die nochnicht abgeschlossene Ernte aus diesem äußerlich so kargen, innerlich so reichen Bodennoch so weit einzubringen, als dies möglich war und das Bild zu runden. Dem dientenauf dem Gebiet der geistigen Volkskultur meine Brauchtumsforschungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsforschungen, ergänzt durchdie Arbeiten anderer, die sich wie die Untersuchungen von Maria Kunde-graber vorwiegend der Sachkultur widmeten. Das Gedenkjahr 1980, in dem dieGottscheer auf 650 Jahre zurückblicken, sieht nun auch die großen Zusammenfassungenvorliegen oder fast vollendet. Neben den älteren Werken von Hauffen undTschinkel die großartige Ausgabe ihres Liederschatzes, das nachgelassene Ge-schichtsbuch von Erich Petschauer und das zweibändige Grundlagenwerk„ Wör-terbuch der Gottscheer Mundart" von Walter Tschinkel. Ihnen reiht sich nun alsZusammenfassung meiner sich nun auch schon über fast 40 Jahre erstreckenden Be-mühungen das hier vorliegende Brauchtumsbuch Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsbuch an.
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