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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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lichen alten Frau. ,, Shi kimmat duhâr wia a Schtampfato Pârto" sagte man von einemalten Weiblein, das dahergewackelt kam.

In den von mir gesammelten Aussagen erscheinen die perchtenartigen Wesen sehrstark als Kinderschreck. Das mag damit zusammenhängen, daß ich die Aufzeichnungenhauptsächlich im Zusammenhang mit den Fragen nach dem Nikolausbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Nikolausbrauchtum machte.Nur Göttenitz deutete die Eigenschaft der Spinnstubenfrau an, welche zu den Erwachse-nen kommt. Das bestätigen auch einige Sagen bei Wilhelm Tschinkel 340 von der,, Pachto Mullo: Diese soll an drei Weihnachtsnächten von Haus zu Haus ziehen umnachzusehen, wieviel die Mädchen schon gesponnen haben. Den fleißigen spendet sieGlück und Segen, faule Mädchen hingegen müssen sich auf ihre Hechel setzen unddorthin reiten, wohin sie die Pachto Mullo führt."

Nicht sehr reichhaltig ist, was aus der übrigen Adventszeit berichtet wird. Manging zu den Roratemessen Montag, Mittwoch, Freitag oder Samstag, wobei ein brennen-der Span beim Kirchgang als Leuchte diente( Mösel). ,, Es war eine, Sonntagsmesse mitfestlicher Beleuchtung in der Kirche. Jeder Gottesdienst wurde von mindestens einemMitglied der Familie besucht"( Göttenitz). Mannigfache Vorbereitungen für Weihnachtenerfüllten die Abende, z. B. das Anfertigen der Girlanden aus buntem Papier für denSchmuck des Herrgottswinkels oder Christbaumes. Schweineschlachten sorgte für dieentsprechenden Nahrungsvorräte. Vom Schneiden und Einwässern der Barbarazweigewird aus einigen Orten berichtet, z. B. Ebenthal, Stadt Gottschee, Lienfeld, Grafenfeld.Blühten sie bis Weihnachten auf, ging ein Wunsch in Erfüllung. Im übrigen sollen esfrüher Schlehdornzweige gewesen sein, später erst Zweige von Kirschbäumen. DasKeimenlassen einer Tellersaat tritt auffällig zurück gegenüber der slawischen Umgebung.Ich besitze Nachrichten aus Schalkendorf, Lienfeld, Grafenfeld und Göttenitz. Dieletztere sei angeführt: ,, Beim Luzienweizen stellte man in die Mitte eines kleinen Tellersein Trinkglas. Rundherum gab man Weizenkörner, die man dann anfeuchtete, so daß siekeimten. Bis zu Weihnachten hatten die Keime etwa eine Höhe von 5 bis 8 cm rund umdas Glas herum. Diese Tellersaat wurde dann zur Krippe gestellt. In das Glas gab manOl, auf dem ein ewiges Lichtlein schwamm. Dies brannte während der ganzen Weih-nachtszeit bei der Krippe, Tag und Nacht." Bemerkenswert ist, daß der Luzientag sonstkeine weitere Rolle spielt.

Der in ganz Österreich verbreitete Brauch des ,, Herbergsuchens" oder Frau-tragens", 341 den auch die Slowenen kennen, fand ich in der Gottschee bloß in Reichenaubezeugt. Dabei wird eine Marienstatue von Haus zu Haus getragen, bleibt über Nachtund wird verehrt, am nächsten Abend wandert sie dann weiter.

Die sehr bekannte Wettervorhersage für die Monate des kommenden Jahres ent-sprechend dem Wetter einer weihnachtlichen Zwölftageperiode gab es auch in der Gott-schee. Jedoch nicht nur wie sonst meist nach der Witterung der Tage in deneigentlichen Zwölften zwischen Weihnachten und Dreikönig, sondern auch den zwölfTagen vor Weihnachten; so z. B. in Masereben und Morobitz.

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3. Eine Weihnachtsschilderung

Ehe die Einzelheiten des eigentlichen Weihnachtsfestes in eigenen Abschnitten be-sprochen werden, ist es vielleicht angezeigt, eine Gesamtschilderung anzuführen, dieeinen Überblick und Eindruck von dieser hohen Festzeit des Jahres gibt, wie sie in derGottschee gefeiert wurde. Dies um so mehr, als sie von einem ganz vorzüglichen Ge-

340,, Gottscheer Volkstum", S. 45 f.

341 Vgl. R. Wolfram, Das Frautragen, Mitteilungen der Gesellschaft f. SalzburgerLandeskunde, Bd. 97, 1957, S. 173-190; Österreichischer Volkskundeatlas( OVA), 4. LieferungWien 1971, Karte 71, Herbergsuchen und Kommentar dazu.

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