Orakelbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Orakelbrauchtum, gewidmet sind. Den Abschluß bildet ein zusätzliches Kapitel, das denBestand in seine weiteren Zusammenhänge vergleichend einzuordnen sucht.
2. Nikolaus, Perchten, Advent
Die Nachrichten über das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum zu Nikolaus, die ich aus 43 Ortschaften derGottschee besitze, lassen die Entwicklung gut erkennen. In 16 dieser Ortschaften erschienbis zur Zeit der Umsiedlung keinerlei sichtbare Verkörperung von Besuchern aus eineranderen Welt. Die Kinder stellten nur Schuh, Teller oder Strohgefäß auf und fanden sieam nächsten Morgen gefüllt. Das Nahen geisterhafter Gestalten wurde jedoch häufigdurch Rasseln mit einer Kette angedeutet. Erschienen aber tatsächlich Gabenbringer, sowaren es zunächst bloß rauhe Dunkelgestalten. Eine ganze Reihe von Nachrichten besagt,daß der Nikolaus als Bischof früher nicht dabei war und erst später dazukam. 330 DieNamen der Dunklen sind neben ,, Krampus", der jedoch z. B. in Rieg unbekannt war,der ,, Höllische" ,,, Lutzofar" oder„, Schratl". Sie kamen oft für sich allein oder in größe-ren Gruppen.
Das Gottscheer Nikolausbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Nikolausbrauchtum weist die allgemein üblichen Züge auf, aber auchetliche Besonderheiten. Von einem Reit- oder Tragtier des Nikolaus, für das die Kinderin verschiedenen Gegenden Österreichs Futter herrichten, auch wenn der Besuch nur un-sichtbar erfolgt, weiß die Gottschee offenbar nichts. Nur in Masereben heißt es ,,, derMiklô kommt auf einem Roẞ". Dazu stellt sich ein nicht mehr deutlich erinnerter Berichtaus Koflern mit sagenhaften Zügen.„ Einer ist geritten als Miklô und zwischen mehrerePferde hinein und hat sich nicht mehr ausgekennt. Auf einem Schimmel. Er ist hinein-gekommen in eine Masse Pferde und war ganz erschrocken und wußte nicht, wie daswar." Ob da ein Nachklang an Sagen von der Wilden Jagd vorliegt, die auch in derGottschee gerne zur Weihnachtszeit umzieht, muß dahingestellt bleiben.
Werden die von den Kindern aufgerichteten Gefäße über Nacht gefüllt, leidet es dieKinder oft nicht mehr in den Betten und sie sehen schon ganz früh am Morgen nach.Kommt der unsichtbare Besuch abends, werden die Kinder in die Stube geschickt um zubeten, inzwischen wird in die im Vorhaus aufgestellten Behälter eingelegt. Das Zeichen,daß der Besuch da war, wird mit einer Glocke gegeben. Nüsse, etwas Zucker, ein Messermit Holzgriff oder Schulsachen waren häufig die Gaben. Auch ein Apfel, in den einKreuzer gesteckt war. Daß der Höllische böse Kinder mitnimmt, war nur Drohung.
Kommen die Dunklen in Gruppen, sind auch die Mädchen in Gefahr. In Altlagheißt es: ,, Viele Burschen gehen, Krampusse mit Schafhörnern und Fellen und Ketten...Wenn die Dämmerung kam, hat sich kein großes Mädel mehr gezeigt, die haben sichzusammen versteckt. Wurden sie erwischt, haben sie sie mit Ketten gebunden und mit-gezogen. Einmal haben sie ein Mädel an einen Baum angehängt bis der Umzug vorüberwar... Dieser Umzug war immer schon." Also ein Benehmen wie von vielen ,, Rauhen"in den Alpenländern, z. B. den Berchtesgadner ,, Buttenmandln", denen sich der Nikolausauch erst in unserem Jahrhundert hinzugesellte. Gewöhnlich hat bei den Buben eine Ruteunter den Gaben nicht gefehlt. In einigen Fällen war die Bescherung anders. Es wurdenur die Tür geöffnet ,, und da haben schwarze Männer hereingeshânet( hereingesät, ge-worfen) bei der Tür"( Göttenitz, Koflern); was sonst in der Gottschee am Altjahrsabendüblich ist. Es ist eben vielfach noch die ältere Stufe: ,, Nikolaus sind sie beschenkt worden,
330 Ebenthal: Daß sich wer als Miklaus angezogen hat, war früher nicht; Lichtenbach: Nureine Art Krampus gespielt; Suchen: In der letzten Zeit erst, daß sich einer angezogen hat alsNikolaus; Warmberg, Komutzen: Der Nikolaus ist erst später üblich geworden; Mairle: Vor altenZeiten wurde meist nur mit Ketten gerasselt.
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