XV. Die Weihnachtsbräuche
1. Vorbemerkungen
Im Jahreslauf nimmt das Weihnachtsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Weihnachtsbrauchtum an Umfang und Bedeutung einenbesonderen Platz ein. Es ist reich, vielschichtig, umfaßt eine längere Zeitspanne und istan einen Entscheidungspunkt des gesamten zyklischen Geschehens geknüpft. Es bestimmtnach dem Volksglauben weitgehend das kommende Jahr und das Leben in ihm. Darumerfordert seine Darstellung auch eine größere Breite und ein weiteres Ausgreifen. Zudemist es ein erstes Darbieten des gesamten Stoffes, bei dem auch die Varianten und land-schaftlichen Unterschiede selbst auf dem begrenzten Raum der Sprachinsel berücksichtigtwerden müssen.
Das Weihnachtsfest gliedert sich entsprechend dem christlichen Festkalender in dieZeit der Erwartung und der Erfüllung. Wobei der Zwölftageabschnitt zwischen Christ-geburt und Dreikönig gewissermaßen verdichtet den winterlichen Jahreshöhepunktzusammenfaßt, die Brauchtumsfolge Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsfolge der Wochen vorher etwas lockerer ist. Beides gehörtjedoch zusammen und läßt sich auch in der Darstellung nicht trennen.
Diese Zusammengehörigkeit ist mehrfach begründet: durch den Ablauf des Kirchen-jahres, durch die Brauchtumszerdehnungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumszerdehnungen infolge der Kalenderreformen, und diedarunterliegende Schichte des aus dem Naturjahr stammenden Mittwinterbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Mittwinterbrauchtumsmit seinem breiteren Rahmen. Schon die römischen Saturnalien und Kalendenfeiern um-faßten jeweils eine Folge von Tagen. Was wir von den Mittwinterfeiern aus germanischerZeit wissen, deutet gleichfalls auf eine längere Festzeit, 329 die in Schweden sogar heutenoch einen ganzen Monat währt, vom 13. Dezember bis zum 13. Jänner. Auch im alpen-ländischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum Österreichs und der Schweiz treten verschiedene sichtlich zusam-mengehörige Masken- und Umzugsbräuche der Mittwinterfeiern sowohl am Ende derweihnachtlichen Zeit auf, wie auch schon in der Vorbereitungszeit, die eigentlich diestille sein sollte. Heißt die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner in Österreich vielfach die,, Perchtennacht", weil zu Dreikönig der Perchtenglaube und Perchtenbrauch seinenHöhepunkt hat, so laufen die Schiachperchten in der Rauris( Salzburg) schon im Advent,im Unterinntal zu Nikolaus. Die ganz in Stroh gehüllten peitschenknallenden ,, Stroh-schab" in Mitterndorf im Ausseerlande zeigen sich während 14 Tagen im Advent usf. Inder Schweiz verteilen sich die Umzüge der„ Chläuse", die mit der Bischofsgestalt meistwenig zu tun haben, über die ganze Zeit mit Schwerpunkten sogar um Neujahr, Drei-könig und noch später. Auch die sogenannten„, lustigen Anklöckler" z. B. Salzburgs oderKärntens in den drei Donnerstagsnächten des Advents haben mit dem„, Herbergsuchen"nach biblischem Vorbild nichts zu tun, sondern gehören zu den Umzügen der„ Rauh-nachtler" alten Stils.
Die nun folgende Darstellung des Gottscheer Weihnachtsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Weihnachtsbrauchtums wird sichdaher in neun Kapitel gliedern, welche einzelnen Festtagen oder Motiven, wie z. B. dem
329 L. Weiser, Jul, Stuttgart 1923, S. 5. Die Angelsachsen nannten die Monate De-zember und Januar„ Giuli". Dazu gotisch„ fruma jiuleis"(= erster juleis) für November. Is-ländisch Ylir" bezeichnet die Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember.
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