Fett ausgebackene und mit Ei panierte Holunderstrauben. Da blieb man gesund, sagteAmö." 305 Daß das Einkaufen der Burschen am Johannisabend stattfand, wurde bereitserwähnt.
8. Zusammenfassungen, Vergleiche
Eine vielumstrittene Hauptfrage in der Betrachtung des Jahreslaufes gilt dem Ge-wicht der Sommersonnenwende. Bildet sie ein einigermaßen vergleichbares Gegenstückzur winterlichen Jahresumkehr und ist somit doch auch letzten Endes ein solar bestimm-ter Brauchtumszyklus Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumszyklus anzunehmen, der im Gefüge der späteren Kulturentwicklungennoch durchschimmert? Wobei keineswegs alle auftretenden Handlungen auf die Sonnebezogen sein müssen. Kann das Fest, wie es die Gottscheer feiern, hiezu etwas aussagen?Eine zweite Hauptfrage bildet die Stellung des Gottscheer Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums innerhalbdeutscher, slawischer und noch weiterer Zusammenhänge.
Überblicken wir das Jahresbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Jahresbrauchtum, so hebt sich nach der Wintersonnenwende dieVorfrühlingszeit in zwei Gipfeln mit Fasching und Ostern besonders heraus. Ihr folgt dereigentliche Frühling von Georg bis Pfingsten. Wobei Pfingsten wahrscheinlich verschie-dene Maibräuche kraft seines kirchlichen Gewichtes noch an sich gezogen hat, so daß derAbstand zur Sonnenwende nicht viel mehr als einen Monat beträgt. Sonnwend ist durchseine kirchliche Anknüpfung an Johannes den Täufer mit dem Christgeburtsfest inParallele gesetzt. Nach Lukas I, 36 und 60 war er ein halbes Jahr älter als Jesus. Dervon nun an kürzer werdende Tag ließ sich auch mit den Worten des Evangeliums Johan-nes III, 30 in Beziehung setzen:„ Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen." Voraus-setzung für das Wirksamwerden dieser Gleichungen für den heutigen Termin des Volks-brauches ist die erst im Jahre 354 in Rom erfolgte Festsetzung des Christgeburtsfestesauf den 25. Dezember in deutlicher Beziehung zu dem damals sehr gefährlichen Festdes Geburtstages der„ Unbesieglichen Sonne" der Mithrasreligion am 25. Dezember.Damals schwankte die Waage noch sehr zwischen dem aus dem Iran nach Rom gedrun-genen Mithraskult und dem jungen Christentum. Aus dem europäischen Norden wissenwir mit Sicherheit, daß vor dem Vordringen des Christentums in jenen Breiten bereitsein einheimisches Mittwinterfest bestand. Gab es dieses Gegenstück auch im Sommer? Dasist die Frage. Und wieviel bedeutete das Mittwinterfest, das im Volksbrauch sehr starkals eine Wende empfungen wurde, möglicherweise dafür, um auch das sommerliche Sonn-wendfest mit Zügen des Mittwinterbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Mittwinterbrauchtums anzureichern, falls solches überhauptanzunehmen ist? Oder kommen die verwandten Züge aus einem auch zu Sonnwendempfundenen Gipfel des Naturjahres? Wobei die Abhängigkeit der Jahreswenden von derSonne instinktiv vom Menschen gewußt sind, auch wenn sich die Einzelheiten desBrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums nur zum geringen Teil auf das Gestirn selbst richten.
Überblicken wir das Sonnwendbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Sonnwendbrauchtum, so ist nicht zu übersehen, daß sich sehrwenige Vorstellungen und Bräuche auf Johannes den Täufer selbst beziehen. Kein Ver-gleich mit der Rolle, die das Christuskind spielt. Der Heilige ist offensichtlich nicht derKern, um den sich alles rankt. Ein Umstand, der stark ins Gewicht fällt. Im GottscheerBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Glauben sind es auch nur wenige Züge, die direkt den Täufer meinen.Der eine ist der Glaube von der nächtlichen Einkehr des Heiligen in den Häusern, wes-halb für ihn aus Blumen das Johannesbett bereitet wird. Diese Einkehr des Heiligen undGöttlichen ist ein Gegenstück zum Glauben der Mittwinterzeit. Im Gegensatz zu diesemträgt er zu Sonnwend nur christliches Gewand. Der zweite, sicher alte Bezug, ist dasTrinken der Johannesminne( ,, Gahannaischshegn"). Der Minnetrunk zu Ehren des Täu-
305 Maria Pospischil, Der Sommer im Suchener Hochtal, Gottscheer Zeitung, 62. Jg.,Juni 1965, S. 21.
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