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Kranzljungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Kranzljungfrau; Blüten nach links aufwärts
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Nachtrattar( auch eineFunktion bei der Hochzeit); waagrecht liegend, gleich in welche Richtung= Leiche.,, Man hat mehrere Büschel hinaufgeworfen, fünf müssen oben bleiben." Noch eine wei-tere Möglichkeit kannten Warmberg und Komutzen: Lag der Strauß weit oben, bedeu-tete es eine Leiche, lag er weit unten, war die Vorbedeutung gut.
In Koflern waren es nicht Margeriten allein, die man zu dieser Handlung nahm:,, Am 23. abends, wenn es Ave Maria geläutet hat, ist man schnell auf den Schachen, hatBlumen gepflückt und gebunden und auf das Dach geschmissen. Unter den Blumen warauch Farn."
Damit ist eine Pflanze genannt, die zu Sonnwend eine besonders wichtige und ver-breitete Rolle spielt. Farnkraut streute man vor die Türen als Schutzmittel vor Schlan-gen. Rieg: ,, Am Nachmittag hat man Farnkraut nach Haus getragen. Man legt es vorjede Tür, Haustür, Kuhstalltür, Schweinestalltür, Stadltür, beim Tritt, damit die Schlan-gen nicht hereingehen." Das Aufstreuen vor den Türen wird auch anders gedeutet: ,, Damachen sie dem hl. Johannes ein Bett"( Langenton). Das kann auch innerhalb der Häusergeschehen. Lienfeld und Grafenfeld: ,, Man hat einen Blumenstrauß, bei dem auch Farn-kraut und Margeriten sein mußten und noch etwas, zu Johannes unter den Tisch gelegt.Der hl. Johannes schläft in dieser Nacht auf dem Strauß. Man soll ihm ein schönes Blu-menbett bereiten, das bedeutet Glück. Der Strauß mußte gebunden, nicht lose sein." InMösel hatten sie außerdem Farnkraut immer unter dem Kopfpolster, so daß man indieser Nacht darauf schläft.
Die geheimnisvollen Kräfte dieser Pflanze zeigen sich auch im Glauben an denFarnsamen. ,, Wer durch Farnkraut geht und es fällt ihm Samen in die Tasche, der kanndie Blumen sprechen hören. Die haben angegeben, gegen welche Krankheiten sie gut sind"( Masereben). Tschinkel( S. 9 f.) berichtet außerdem, daß das Farnkraut am Johan-nistag eine Stunde blüht, der Same fällt aber gleich ab. Wer im Besitze dieses Samens ist,versteht die Sprache der Tiere. Daß Pflanzen zu Johannes eine besondere Kraft besitzenkönnen, erwähnt Tschinkel auch andernorts: 304,, Am Johannistage vor Sonnen-aufgang mäht der Landmann ein Büschel Gras, läßt es im Schatten trocknen und reichtdavon allen Kühen im Stall, damit böse Menschen der Milch nichts anhaben können."
6. Fruchtbarkeit, Ackersegnen
Der Johannestag ist einer der wichtigsten Zeitpunkte für das Segnen der Äcker.Darüber berichtete ich bereits im Abschnitt 8 des 2. Kapitels über Ackersegnen undWachstumsbräuche. Die Belege brauchen daher nicht im einzelnen wiederholt zu werden.Es ging um das Einstecken von Palmruten in die Acker in der Form des Andreaskreuzesoder der Hagal- Rune und das ,, Krönen" der Felder durch zusätzlichen Blumenschmuck,welcher den ,, bösen Blick" auf sich ziehen sollte. Solche blumengeschmückte Palmrutennannten sie zuweilen ein ,, Shumitmoile"( Mösel). Es konnte auch ein Kranz sein, der aneiner Stange aufgehängt war( Gehag bei Tschermoschnitz). Diese Handlungen schlossensich oft an eine Feldmesse und Wasserweihe, die um diese Zeit stattfand.
Von einem bisher noch nicht erwähnten Brauch berichtete mir in Masern FrauJosefa Tschinkel, geb. Parte, damals 78 Jahre alt: ,, Die Mädeln haben sich, wo einFlachsacker war, niedergelegt und gewälzt. Dann tut der Rücken nicht weh, wenn manden ganzen Tag hagen muß. Am nächsten Tag haben die Besitzer geschimpft. Wer wardas? Wer hat meinen neien Flachs gewälzt? Er ist wieder aufgestanden, aber er war dannnicht mehr so schön wie er vorher war." Eine andere Form, sichtlich mit einem Ersatz-
304 W. Tschinkel, Brauch und Volksglaube in der Gottschee, Zs. f. ÖsterreichischeVolkskunde, XIII. Jg., Wien 1907, S. 21.
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