Baum, der Bursche richtete ihn auf, damit war das Lied verbunden ,, Shaug ausha, shaugausha..." Auch beim großen Dorfmaibaum war das Bekränzen Sache der Mädchen.Meist ist davon die Rede, daß ein waagrechter Kranz unterhalb des Wipfels am Stammhing. An der Spitze war eine Fahne angebracht, Bänder und Tücher flatterten am Wipfel,weshalb da und dort auch das Maibaumklettern geübt wurde( z. B. Masereben, Mösel,Ebenthal). Es konnten aber auch mehrere Kränze übereinander am Stamm hängen, so inUnter Loschin oder in Ebenthal, wo es drei der Größe nach angeordnete Kränze waren,der größte zuunterst. Auch um den Stamm schlang sich hier eine Blumengirlande.
Der Maibaum war auch gefährdet. Burschen aus der Nachbarschaft konnten ver-suchen, ihn zu stehlen oder umzuschneiden. Daher wurde er- ähnlich wie in großenTeilen von Österreich 301auch von den heimischen Burschen bewacht. Meine dies-bezüglichen Nachrichten stammen vor allem aus der Gegend von Tschermoschnitz.Reuter: ,, Wache alle Nächte gegen das Stehlen von anderen Orten." Gehag:„ Wache,damit ihn niemand stiehlt oder umschneidet. Oft geschah es trotz Wache, daß rasch einpaar Sägezüge getan wurden und er umgefallen ist. Die sind aber dann gerannt. DerBaum steht bis zum Peterstag und bis zu dem Tag wurde er auch bewacht." Dieser End-punkt Peterstag wird mehrmals angegeben. Das Ende des Baumes ist in der Regel derVerkauf oder die Versteigerung des Stammes, von dessen Erlös ein gemeinsames Fest be-stritten wird.
5. Pflanzen, Blumenorakel
Im Sonnwendbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Sonnwendbrauchtum spielen Blumen und gewisse Kräuter eine wichtige Rolle.Das gilt für die Gottschee wie anderswo. Auch hier treten das gelbblühende Johannis-kraut( Hypericum perforatum), die Margerite oder Wucherblume( Chrysanthemumleucanthemum) und das Farnkraut besonders hervor.
Daß die lieblichen Boten der voll erblühten Natur zum Schmuck verwendet werden,ist naheliegend. Sowohl an Häusern, wie in den Sträußen der Burschen für die Mädchenund am Maibaum. Merleinsraut:„ Man hat viele Blumen gebracht und rund um dasFenster gekrönt, Böschlein." Im gleichen Suchener Hochtal bekamen die Kühe Kränze,wenn sie abends heimgetrieben wurden. Entweder um den Hals( Suchen) oder auf dieHörner( Ober Gras). ,, Die Kinder haben gejauchzt, aber die Kühe hatten oft Angst undstreckten den Schwanz in die Höhe." In Altlag trug die ganze Jugend Kränze im Haar.Das Blütenzelt der ausgespannten Margeritengirlanden in Suchen hat meines Wissenskeine direkten Gegenstücke, doch kennt man in Deutschland Blumengewinde über denStraßen in mannigfacher Form. Reinsberg- Düringsfeld 302 zählt die ver-schiedensten Beispiele für die Freude an prangendem Blumenschmuck bei diesemFeste auf.
Eine Besonderheit bilden zweierlei Arten von Blumenorakeln. Das eine knüpft dieVorbedeutung an das frühere oder spätere Welken von Blumen, die den fragenden Men-schen zugeordnet werden. Das zweite, in dreierlei Form ausgeübte, liest die Antwort ausdem Werfen von Kränzen oder Sträußen über oder auf das Hausdach ab. Anscheinendspielen besondere Zeitpunkte für diese Handlungen eine Rolle, obwohl nicht alle Ant-worten dies erwähnen. Aber beim Dachorakel wird in Altlag gefordert, daß es beimGlockenläuten um 3 Uhr nachmittags geschehen soll. In Koflern mußten die benötigten
301 Vgl. Blatt 50 des Österreichischen Volkskundeatlasses.
302 O. Reinsberg- Düringsfeld, Das festliche Jahr, Leipzig 1898, S. 226 f. Überdie Blumen als ornamentales Mittel der Volkskunst vgl. auch R. Wolfram, Die SalzburgerPrangstangen und ihre Verwandten, Mitteilungen der Gesellschaft f. Salzburger LandeskundeBd. 104, Salzburg 1964, S. 271-299.
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