durch die Nabe gesteckt, damit das Rad nicht umfällt, und das hat schön gespielt"( Rieg). Bemerkenswert ist die Aussage zweier Ortschaften( Rieg, Mösel), daß es sich um,, altvatrische" Räder handelte, die nur aus Holz waren und die lediglich vier Speichenbesaßen. Sie bildeten also ein Radkreuz, vergleichbar den großen Osterrädern in Lügdein Westfalen, wo solches ausdrücklich vorgeschrieben ist. In Katzendorf war es derMesner selbst, welcher das Feuerrad vom Annaberg hinabrollen ließ. Von Vorstellungen,welche mit diesem Brauch verbunden waren, konnte ich nur wenig erfragen. In Riegerklärten sie jedoch,„, das Herunterrollen der Räder muß man machen, dann haben siegroße Rüben".
Nimmt man hinzu, daß auch das Feuerspringen 296 üblich war, so zeigt sich dasBild eines allseitig ausgeformten Feuerbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Feuerbrauchtums. Das Springen geschah in Merleinsrautzuletzt paarweise, ähnlich in Morobitz. In Mösel kannte man außerdem noch einen Wett-streit der Burschen, wer weiter springt.
Von einer Bedeutung, die dem Rauch des Feuers zugemessen wird, erhielt ich keineKunde. Hingegen zeigte sich ein anderer Glaube an eine Segenswirkung im SuchenerHochtal. ,, Jeder hat einen Brand mitgenommen beim Heimgehen und in den Krautgartengesetzt, damit es schön wachst"( Merleinsraut).„ Jeder hat in seinen Krautgarten einglühendes Stück vom Feuer hineingesteckt, dann sind die Würmer nicht gekommen"( Ober Gras).
Die Sonnwendlieder, von denen schon die Rede war, erklangen nicht nur am Beginndes Brauches im Dorf, sondern auch noch bei den Feuern: ,, Gesungen wurde rund um dasFeuer"( Prerigl). ,, Beim Feuer sind sie rundum gesessen und haben gesungen und gegessenund getrunken und dann getanzt"( Mairle).„ Die Mädel sitzen in einer Gruppe dabei undsingen"( Altlag). Unten beim Dorf, wo sie zuschauen wie oben die Scheiben geschlagenwerden, singen sie auch.„, Im Kreis stehend gesungen. Die Männer auf der einen Seite,Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber und Mädel auf der anderen Seite. Zuerst wird gesungen, Maria's Moronsch wriaaufschteaht'. Nach dem Feuer noch Tanz im Freien und dann im Gasthaus"( Ebenthal).
Beim Feuer war gewöhnlich auch ein Spielmann mit dabei, so daß auch der Tanz zuseinem Recht kommen konnte. Auch Essen und Trinken fehlte nicht. Nach Mitternachtsetzte sich die Unterhaltung gewöhnlich noch im Gasthaus fort bis in den Morgen. DieSchilderung aus Rieg möge für viele stehen: ,, Nachher, wenn das Scheibenschlagen vorbeiwar, haben sie eine Harmonika genommen und gespielt. Auch ein Schaf gebraten undgegessen und beim Feuer gesessen. Und dann haben sie angefangen zu tanzen und bis indie Stauden hinein, daß die Madln die Schossen oft zerrissen haben. Dann sind sie ge-schlossen durch das Dorf gegangen, haben gesungen und das Shumitbâmle aufgerichtet.Rundum dann gestellt und gesungen und gespielt. Von da ins Gasthaus und weiter ge-sungen und unterhalten." Getanzt wurde u. a. auch Siebenschritt, Kreuzpolka undSchusterpolka. Am Abend im Gasthaus war auch das„, Gahanaischshegn" trinken. DerWein war zwar nicht geweiht, aber sie haben einander zugetrunken mit Gahanaischshegn( Johannessegen).
4. Der Maibaum
Die Gottschee unterscheidet sich vom heutigen österreichischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum dadurch,daß der Maibaum nicht nur am Vorabend des 1. Mai aufgerichtet wird, sondern ebenso-oft auch zu Sonnwend. Als dritter, weniger bedeutender Termin kommt noch die Kirch-
296 Merleinsraut, Suchen, Rieg, Morobitz, Mösel, Reuter bei Tschermoschnitz, Reintal,Warmberg, Komutzen.
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