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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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Im Liede sagt der Richter, der Knecht ist müde, er hat Zimmer gehackt und kann denMaibaum nicht aufrichten helfen. Auch alle anderen Hilfeleistungen und die Teilnahmeseiner jungen Leute versagt er. Dann ist abends der große, mit Bändern geschmückteMaibaum aufgestellt worden. Zu Shumitn war dieser am Ende des Dorfes, am 1. Maibei der Kirche. Bei der Kirche ist eine große Wiese gewesen, das Moos, und dort haben siedas Feuer gemacht. Die Glocken haben geläutet. Zu viert sind sie gestanden die Mädelnin 3-4 Reihen. Sie haben sich langsam gewiegt im Takt und gesungen:

Won dort har kamen die Shumiten,

die liabn heiligen Shumiten."

Der weitere Text, den ich 1941 in Grafenfeld selbst aufzeichnen konnte, ent-spricht den Strophen 4 bis 11 des Liedes von Maria im Rosengarten( Hauffen,Nr. 5). Frau Michelitsch wußte auch noch die wunderbare und höchst altertümlicheMelodie, die bei Hauffen, Nr. 35, fehlt. Da sich eine verwandte Weise nach demfreundlichen Hinweis von Prof. W. Wiora in Lothringen findet, 290 ist mit einemTypus aus sehr früher Zeit zu rechnen, der sich nur an Außenrändern des deutschenSprachraumes erhielt. Dieses Shumitlied sangen sie so, daß die erste Reihe die ersteStrophe sang, dann die zweite die nächste Strophe usw. ,, Die Burschen sind gestandenund haben gehorcht." Ein anderes Lied, das sie in Grafenfeld mit Vorsängerin und Chorsangen, war: ,, Die Wachtel schlägt im Feld, Gott geb uns heuer ein gutes Jahr im Wein-gart und auf dem Hirseboden"( Hauffen, Nr. 7). Dann haben sie Scheiben ge-schlagen und zuletzt sind sie ins Wirtshaus und haben gefeiert die ganze Nacht. EineShumitroashe( Margerite) haben sie in die Hauswand gesteckt. Wenn sie( am Morgen), genopfazt hat( welk war), ist man früher gestorben. Büschlein haben sie auf das Dachgeworfen und ein Büschlein unter den Tisch mit Shumitroashn für den Johannes. An demTag wird auch besseres Brot gebacken."

Hier klingen bereits viele der Brauchtumsmotive Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsmotive dieser Zeit an. Mösel ergänzt, daßdie Kirchenglocken um 9 Uhr abends eine Stunde läuteten wie zu Weihnachten. Zuerstgingen sie zum Moile singen, dann zogen sie singend zum Feuer. Auch dort war das alteLied ,, Von dort her kamen die Shumitlein" gebräuchlich. In Verdreng sangen sie beimMaibaum das Lied ,, In inshern Boude( Walde) schteat a Moaile, at öbm am Bipfl( Wipfel) ischt a Roashe". 291 In Kukendorf, Pöllandl und Tschermoschnitz sind sie abendsauch gegangen ,, in Johannes auf gean shingen". Mit dem Liede ,, Johannes, shai Johan-nes, du hailiger Monn, lei bu( wo) bischt du gewânen( gewesen) in die 32 Johr?" gingensie zu allen, die Johannes hießen und brachten ihnen ein Ständchen. In Masereben sangensie dieses Lied draußen beim Feuer. Die Festlichkeit des Tages fand nicht nur im SuchenerHochtal ihren wunderbaren Ausdruck darin, daß Girlanden von Margeriten wie einBlütenzelt vom Wipfel des Baumes im Holzstoß zu den umstehenden Bäumen ausge-spannt wurden, sondern daß z. B. in Altlag jeder der jungen Leute auch einen Kranz imHaar trug. Soviel zur Ergänzung vor allem bei den Liedern. Ein Überblick über dieEinzelmotive ergibt auf Grund einer Befragung von damals 40 Siedlungen folgendes Bild:

3. Die Feuer und Feuerbräuche

Die Probekarte Nr. 6 des Ethnologischen Atlasses von Jugoslawien( ,, EtnološkiAtlas Jugoslavije", Zagreb 1963, Pokusne Karte) stellt die Termine der Jahresfeuer dar.Auf ihr bildet die Gottschee eine leere Fläche. Begreiflich, denn die alten Bewohner

290 Bei L. Pinck, Verklingende Weisen II, S. 61, Nr. 18.

291 Melodie und Text nach meiner Aufzeichnung im Kapitel VIII über das Singen in derGottschee.

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