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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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XIII. Frühjahr, Sommer

An dieser Stelle ist ein Einschub angebracht. Die vier Großkapitel über Fasching,Ostern, Sonnwend und Weihnachten stellen den Gang des Jahres in seinen entscheiden-den Abschnitten dar, sie enthalten auch die Hauptmasse der Bräuche. Dazwischen bleibtjedoch ein beträchtlicher Rest, auch wenn einiges an die Hauptkapitel angeschlossenwurde, wie etwa Allerheiligen- Allerseelen an das Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtum. Ergänzen müssenwir jedoch vor allem im Frühjahr. Die folgende knappe Aufzählung will die Lücken zuschließen suchen.

Nach dem alten Kalender bezeichnete Gregori( 12. März) das Winterende und denBeginn der Frühlingsarbeit. Die Frühlings- Tag- und Nachtgleiche ist auch schon heran-gerückt. In der Gottschee war Gregori mit einem reizenden Orakel verknüpft. Es heißt,zu Gregori halten die Vögel Hochzeit. Für sie stellte an diesem Tage der Großvater inder Familie eines meiner Gewährsleute aus Lichtenbach Most auf einen Tisch im Garten.In Merleinsraut und Suchen gab man am Morgen dieses Tages acht, ob man zwei Vögelbeisammen sah. Ein solches Paar würde bedeuten, daß man selbst auch in diesem Jahrezum Heiraten käme. Die Stockendorfer Buben waren auf anderes aus. Sie warfen einStück Holz über das Hausdach. Gelang der Wurf, hatte man Glück mit dem Finden vonVogelnestern. Geschehen mußte das aber vor Sonnenaufgang in der schon beim hoch-zeitlichen Baumbeten besprochenen mystischen Zwischenzeit.

Mit Ostern wendet sich das Jahr mit Riesenschritten dem Frühling zu und damitnicht nur neuer Arbeit, sondern auch vieler Freude und Fröhlichkeit. Das gibt sich imdeutschen und österreichischen Volksbrauch schon im scherzhaften Aprilschicken kund.Es fehlte auch in der Gottschee nicht und ein Harmloser konnte leicht damit beauftragtwerden, Vogelmilch zu holen oder einen linken Bohrer.

Ein alter Zeitpunkt des Frühlingsanfanges war Georgi( 24. April). Mit ihm beginntdas Weidejahr, das bis Martini dauert, in der Gottschee war er auch der alte Termin desDienstboten wechsels, der später durch den Stephanstag ersetzt wurde. Vom ,, Juretag" angalt die Erde nicht mehr als giftig, die Kinder konnten von nun an unbesorgt barfußlaufen( Schalkendorf, Stockendorf). Die Ochsen hatten Feiertag und wurden an diesemTage nicht eingespannt( Komutzen).

Von den Hexen war in der Gottschee unglaublich viel die Rede. Kein Gewährs-mann, der nicht mit Beispielen zur Hand gewesen wäre und die Geschichten ergäben eineigenes, langes Kapitel. Auch der Luftritt der Hexen fehlte nicht. Als Blocksberg galtder unweit der Sprachinsel im Kroatischen gelegene und absonderlich geformte Kleck, siehatten aber auch andere Versammlungs- und Tanzplätze. Soviel ich sehen kann, heftetesich in der Gottschee der Glaube an ihre besondere Fest- und Schwarmzeit nicht in glei-cher Weise wie anderswo an die Walpurgisnacht. Merkwürdigerweise hieß es, daß sieam Oster- und Pfingstsonntag frühmorgens herumgehen und es gab den Glauben an dasHexenstühlchen, mit dessen Hilfe man sie bei der Weihnachtsmette erkennen konnte.

Hingegen war der Vorabend des 1. Mai von anderer Tätigkeit erfüllt. Es waren dieBurschen, welche den Maibaum zu holen und aufzustellen hatten. Stellvertretend fürviele ähnliche Berichte führe ich die Schilderung aus Rieg an:

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