größeren( Graflinden). ,, Sie haben nach dem Alter zusammengehalten, es waren mehrerePartien"( Morobitz). Die Gruppierungen waren verschieden. Entweder versammelte sichdie Jugend des ganzen Dorfes oder auch nur die Kinder aus der Nachbarschaft, wie inRieg. Hauffen( S. 73) berichtet dazu:„ Jedes Kind wählt sich einen Gesellen undteilt mit ihm sein Essen, trinkt mit ihm Wein, spielt mit ihm Eierstoßen u. a. mehr." DasGottscheer Wörterbuch von Walter Tschinkel( I, 225) enthält noch folgende zu-sätzliche Angaben:„ Am Ostermontagnachmittag haben sich die Kinder in einem Stübleinoder im Stadel gesellt. Buben und Mädchen getrennt; die Buben haben den Mädchenmanchen Schabernack gespielt. Jeder hat zum Gesellen ein Bündel mitgebracht: Eier, einWürstlein, etwas vom geweihten Schinken und ein Sechserl; mit dem Geld wurde einLiter Wein gekauft. Burschen und Mädchen haben sich im Gasthaus gesellt. Auch dieältere Generation kam dort am Abend zusammen. Der Wirt stellte einen Teller Ge-weihtes auf den Tisch, dazu wurde Wein getrunken. Die, Gesellen vom Geselltage' sindoft ein Leben lang Freunde geblieben."
Meine eigenen Aufzeichnungen haben dazu noch einige Aussagen: Daß sich Paaregebildet haben, bestätigte man mir auch in Hohenegg. Die Kameraden hielten zusammen,gingen in der Prozession gemeinsam( Lichtenbach). Neben dem meist üblichen Mit-bringen von Lebensmitteln durch jeden einzelnen Teilnehmer gab es in Mittergras aucheinen gemeinsamen Heischegang:„ Ostermontag sind die Schüler von Haus zu Hausgegangen und haben überall Speisen bekommen, Mehlspeisen, Würste, Fleisch. Dannsind sie in ein Haus gegangen oder auf einen Stadelboden und haben sich unterhaltenund fest getanzt. Das haben wir gemacht und meine Kinder auch." Die Nachbarzusam-menkünfte fanden in Rieg im Garten statt, sonst war eine Scheune gewöhnlich der Schau-platz. ,, Jedes bringt einen Krapfen, ein Würstl, Eier und jeder schneidet seine Sache aufund gibt es auf den Tisch, und das wird dann gemeinsam verzehrt"( Morobitz). In Möselholten sie Birkensaft und Most, auch der Wirt hat was gegeben. Jedes Kind hatteKrapfen und ein Laibl. In Lichtenbach bekam jedes Kind von der Mutter Geweihtesund ,, Bötzhernleishbroat, weißes, süßes Brot mit Boxhörndln. Die Mädchen waren extraund die Buben." Das Tschelln machten die Gottscheer noch als Flüchtlinge in den fünf-ziger Jahren in den Lagern. Ob dieses Kinderfest in allen Teilen der Sprachinsel üblichwar, müßte noch untersucht werden. In Stockendorf und Schalkendorf wurde es z. B.verneint. Vom Tanzen am Ostermontag gibt es etliche Nachrichten, aus Morobitz sogareine, daß sie einen frischen Boden dabei durchgetreten haben, es muß also recht fröhlichzugegangen sein.
5. Zusammenfassungen und Vergleiche
Das Osterbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Osterbrauchtum ist in stärkstem Maße in das kirchliche Geschehen eingebunden;stärker als bei manchen anderen Festen. Daraus ergeben sich weitgehende Gleichklängeim Grundsätzlichen, wie auch in den Einzelheiten der Ausformung über große Gebietehinweg. Trotzdem bleibt auch Raum für örtlich begrenzte Spielarten. Dies zeigt sich inÖsterreich besonders deutlich im Gestalten der Osterpalmen, die vom einfachen Straußoder einem naturbelassenen und kaum geschmückten Weidenast bis zu den kunstvollstenGebilden reichen, die in verschiedenen Stockwerken aufgebaut sind und 8 bis 10 m Höheerreichen können. Unter diesen hohen Palmen gibt es gerade oder auch solche, derenWipfel kunstvoll behandelt ist, so daß er in einen runden Halbbogen endet. Diese ganzeFülle geht nicht nur kunterbunt durcheinander( obwohl dies manchmal der Fall ist),sondern es gibt auch landschaftsbildende Formen. Eine große Schwierigkeit ist es, daßsie noch nicht genügend systematisch aufgenommen und untersucht sind. Für Tirol undSalzburg kann ich mich auf meine eigene Brauchtumsaufnahme Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsaufnahme Ort für Ort stützen. Eingroßer, meist noch ungenützter Stoff über die Palmbuschen liegt in den Fragebogen des
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