Der größte Umgang bestand in einem Brauchtumskreis Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskreis südlich der Stadt Gottscheein Lienfeld, Obermösel und Untermösel, dazu auch noch in Tschermoschnitz. Dort war inder Osternacht das„ Kreiznacker- Gehen" üblich, das in Mösel völlig das Gepräge einesFlurumganges hatte. Prof. P. Jonke, ein gebürtiger Obermösler, berichtete mirdarüber ausführlich. Es war ein Umgang um die alte Gemarkung, nicht die ganzenFluren, wie sie später waren, sondern die einstige Rodung.„ Es war eine reine Angelegen-heit der Bevölkerung ohne Geistlichen, am Ostersonntag in der Früh. Der Grundsatz war,man muẞte den ganzen Gereutweg gehen, etwa 5 km, und vor Sonnenaufgang schonwieder zu Hause sein. Das Ganze unter Gebeten. Zu Ostern scheint der Mond noch indieser Morgenzeit. Während des ganzen Umganges wurde gesungen und gebetet, in derHl.- Bluts- Kirche westlich von Obermösel einer alten Wallfahrtskirchewar dieLitanei. Eine Pause war immer an der gleichen Stelle bei den, Sipplitzen', wo nur nochein Drittel Weg ist bis heim. Da hat man geraucht, geplauscht. Es ist ein sehr schönerUmgang, immer auf dem gleichen Weg. Es geht z. T. frei durch die Fluren, aber manhat genau gewußt, wo. Und das war das alte Gereut. Außerhalb heißt es, Neuäcker'usw. Der Ort wird bei diesem Umgang in der Richtung der Sonne umkreist. Dann beimDorfanfang mußte die größte Kirchenfahne, die Kreuzfahne, sie erwarten. Bei der Pro-zession wurde nur das Kreuz vorangetragen. Das war die Krönung. Hinter der Kreuz-fahne zu gehen ist hohe Ehre. Es sind drei Träger, einer in der Mitte und zwei Stützer.Das letzte Stück sind sie mit Singen von, Großer Gott wir loben Dich durch das Dorfund in die Kirche. Dort war noch ein Vaterunser, und dann sind sie heim und habengefrühstückt. Um 7 Uhr war dann der Ostergottesdienst. Ein ganz besonders altes Oster-lied war in Niedermösel, ganz anders als im übrigen Gottscheerland. Es steht im Buchvon Hauffen. In Obermösel sangen sie, Der Heiland ist erstanden"."
4. Die Feiertage
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Vorstellungen, die sich auf den Aufgang der Sonne am Ostermorgen beziehen,gab es auch in der Gottschee, allerdings auch hier wie anderswo nicht auf dieOstertage beschränkt. In Hohenegg hieß es z. B.„, am Ostersonntag, am Kreuztag( Himmelfahrt) und Pfingstsonntag kann man die Sonne tanzen sehen in der Früh beimAufgehen. Das haben die alten Frauen schon gesehen. Sie haben durch ein verräuchertesGlas geschaut. Die Sonne dreht sich auf die eine und auf die andere Seite." Altlag weißaußerdem noch von besonderen Wirkungen des Sonnentanzes: ,, Wenn die Sonne aufgeht,wie sie sich draht, dann hat man ein schönes Kraut. Im März werden im Pflanzenbeetzuerst die Krautpflanzen gesetzt. Die erste Frucht ist gut, wenn sich die Sonne dreht."Unterlag bestätigt eine Segenswirkung auf das Wachstum: ,, Wenn die Sonne schön auf-gegangen ist, gibt es schöne Zwetschken." Auch in Göttenitz hieß es:„ Ostersonntag undPfingstsonntag sieht man beim Aufstehen, wie sich die Scheibe der Sonne dreht, gleichwie sie aufsteigt. Wenn sie am Ostersonntag schön tanzt beim Aufgehen, wird es eingutes Jahr. Die Sonne dreht sich auch sonst beim Aufsteigen, aber man kann es nicht sosehen." Im Göttenitz und Katzendorf kann man den Sonnentanz aber sehen, wenn siesich beim Aufgehen in einer Lacke spiegelt( zu Ostern und am Pfingstsonntag). In Moro-bitz gingen die Mädchen am Ostersonntag schon um 3 Uhr morgens auf eine Anhöhe,um die Sonne tanzen zu sehen. Welche von ihnen das zuerst erblickt, wird in diesem Jahrheiraten.
Am Ostersonntag stehen die Frauen in Lichtenbach besonders früh auf, schon um4 Uhr, und gehen vor Sonnenaufgang in die Filialkirche, beten zum Heiligen Grab.
Eine Reihe von Handlungen galten dem Heiligen des Hauses. ,, Am Ostersonntag inder Früh, vor Sonnenaufgang, hat man Kranewitten( Wacholder) vom Palm angezunden
12 Wolfram
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