küßte die Erde oder- in Tschermoschnitz- das Gras. Mitterdorf sprach sogar aus-drücklich vom ,, Grashlan bushn". In Lienfeld mußten alle hinaus und die Erde küssen.Niemand durfte im Hause bleiben. Aus Seele berichtete der Gewährsmann:„ Der Vaterhat sich der Länge nach ins Gras niedergelegt im Garten und die Erde geküßt." AllemAnschein nach ging es um die grünende Erde. In Mösel sagte man auch ausdrücklich:,, Wenn die Glocken zu läuten begannen, da hat jeder geschaut, daß er auf einem grünenFleck niedergekniet ist und hat gebetet, damit er frisch bleibt, und ein Eisen angefaßt,das schützt vor Krankheiten." Demgegenüber ist es wohl nur ein Ersatz, wenn man inAltlag bei der Wiederkehr der Glocken die Kirchenbank küẞte oder zu Hause den Tisch.Wobei eine Heiligkeit des Tisches, wie sie in der Gottschee vor allem im Weihnachts-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum sichtbar wird, neuerlich hervortritt. In Altlag gab man aber als Grund an,daß man dann kein Zahnweh bekommt.
Koflern kennt eine christliche Begründung:„ Die blutgetränkte Erde vom Heilandwar so heilig und die Glocken haben die frohe Osterbotschaft gebracht." Um die Erdegeht es also auch hier. Aber die Osterglocken sind nicht der einzige Augenblick, wo mandergleichen tut. In Merleinsraut und Gehag ,, hat man sofort den Boden geküßt, wennman den Kuckuck zum ersten Mal schreien gehört hat." Also ein deutliches Frühlings-zeichen. Was insgesamt durchzuschimmern scheint, ist eine Heiligkeit der wieder sprie-Benden und fruchtbringenden Erde. Nach der Rückkehr der Glocken konnte man dannwieder an die Arbeit gehen( Masereben).
Kartage und Osternacht sind ferner gekennzeichnet durch Lärmbräuche. Außer demauch sonst üblichen Ratschen fällt hier ein Lärmen auf, das bisher in der Gottscheenoch nicht bezeugt war. Es ist ein Zerschlagen von Kisten durch die Burschen, also einAnklang an die bei uns bekannte ,, Pumpermette". In Lienfeld und Grafenfeld beginnendam Mittwoch, jedesmal nach der Mette, in Altlag am Gründonnerstag und Freitag, inMerleinsraut, Gehag und Mösel am Karfreitag. In Mösel geschah es, wenn die letzteKerze in der Kirche nach der Trauermette ausgelöscht war, und zwar ,, unter Jubel" derKinder. Lienfeld sagte, er richte sich„, gegen alle Feinde, die auf den Herrgott losgegan-gen sind". Das Holz verwendete der Mesner für das Feuer der Feuerweihe. Das Kisten-zerschlagen war auch in der Stadt Gottschee selbst, und zwar vor der Kirche. AmDonnerstag Nachmittag war eine liturgische Feier, bei der Kerzen brennen, in denenKugeln sind. Wenn beim Herabbrennen die dritte Kugel auf die Metallunterlage klingendgefallen war, kam der Mesner heraus und gab ein Zeichen. Dann zerschlugen die Bubenmit Knüppeln die Kisten, welche sie bei den Kaufleuten zusammengebettelt hatten. DieSpäne verwendete der Mesner für die Feuerweihe.
Nicht sehr viel erfahren wir aus der Gottschee über das Ratschen. Lärminstrumentewaren vor allem Hämmer gegen ein Brett. Das scheint das Übliche bei den Buben ge-wesen zu sein.„ Die ganze Woche is schon daham gangen mit Ratschen"( Suchen). Aufdem Kirchturm gab es auch eine große Ratsche. Entweder kam das Signal zum Beginndes Aufgelärmes vom Mesner( Suchen, Mittergras) oder dem Pfarrer: ,, Der hat mit einerRute dreimal geschlagen, und da haben die Kinder mit Triangeln( Ratschen) gelärmt"( Merleinsraut, Gehag).
In Merleinsraut gab es außerdem am Karfreitag zur Zeit der Eltern noch einenSonderbrauch: ,, Da sind die Burschen mit Lärm herum, daß die Wölfe nicht kommen.Mit Glocken, und sie haben geschrien und gejucherzt in den Wald hinein und überallherum. Der Wald war ganz in der Nähe. Die Wölfe sind im Weltkrieg im achtzehnerund neunzehner Jahr sogar bis ins Dorf gekommen. Bei Linkesch haben sie den Hundvon der Ketten gerissen. Die Wölfe haben im Wald oft Musik gemacht. Am Weihnachts-abend war es einmal so arg, daß sich viele nicht getraut haben, die zwei Kilometer nach
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