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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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Vergeltung dafür, wenn Mädchen im Fasching nicht mitgetan hatten, in Pichl trugen sieeinem Mädchen, über das sich die Burschen geärgert hatten, den Strohmann ins Haus. InRieg geschah dies so, daß der Strohmann an die Haustür gelehnt wurde und dem voninnen Öffnenden in die Arme fiel. Unter den Belegen finden sich aber auch solche, woder Strohmann deutlich die Unfruchtbarkeit anprangern soll. So in Krapflern undGrafenfeld, wo alten Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen ein ausgestopfter Strohmann aufs Dach gesetztwurde. 237

Die übriggebliebenen Jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfern werden auch durch das Blochziehen verspottet.Davon, daß es nur geschah, wenn überhaupt niemand im Dorf während des abgelaufe-nen Jahres geheiratet hatte, besitze ich aus der Gottschee keine Nachrichten. Der Brauchwar anscheinend nicht mehr in ähnlicher Blüte wie jetzt noch im Burgenland und in derSteiermark. 288 Vielleicht bringen gezielte Fragen noch einiges ans Licht. Die abge-schwächteste Variante bietet Stockendorf. Dort hingen die Burschen denjenigen Mädchen,die schon über 18 Jahre alt waren und noch nicht geheiratet hatten, hinten ein Holzstückan, auf dem der erwähnte Vers vom Übrigbleiben geschrieben war. In Steinwand sagteman von einem Mädchen, das schon etwas älter war und nicht geheiratet hatte,, du bistwieder eine Blochzieherin"( Plöchziacharin). Ähnlich in Pöllandl. In Krapflern sagteman zu einer, die im Fasching wieder nicht geheiratet hatte, bist a Blochzieherin bisnächstes Jahr". Hauffen( S. 72), der vor 70 Jahren schrieb, hat eine etwas ausführ-lichere Mitteilung: Am Aschermittwoch findet das Blochziehen und-werfen( plechlepol) statt. Gegen Abend ziehen die Burschen Bretter an Stricken mit großem Lärm durchsDorf und werfen sie unbeliebten, im Fasching sitzen gebliebenen Mädchen aufs Haus.Zuweilen werden diesen Mädchen auch ausgestopfte Männerpuppen vor die Haustürgelegt."

In den ganzen Vorstellungskreis gehört schließlich noch die Altweibermühle Glossar ::: zum Glossareintrag  Altweibermühle, die inder Gottschee aus Altlag bezeugt ist. ,, Alte Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber jung machen: Auf einem Wagen ist einAufbau, darin ein Sparherd, und da haben sie Fetzen verbrannt, und einige haben sichals Alte angezogen, sind hinein und jung herausgekommen."

9. Schlußbemerkungen

Die meisten Gottscheer Faschingsbräuche fügen sich in das allgemeine Bild dieserTage ein und besitzen viele Gegenstücke in anderen Teilen Europas. Allerdings gibt esauch hier Abgrenzungen.

Über das Feststellen des Bestandes der Sprachinsel hinaus sind etliche Einzelzügewichtig, die teils für diese Gegend besonders sind, teils erlauben, die hinter diesen Bräu-chen liegenden Vorstellungen deutlicher zu sehen. Bei einer Reihe von Einzelheitenwurde das im Text schon vermerkt. Ich verweise auf die Rolle der Donnerstage, auf dieSuppe vom Faschingdienstag als Unheilabwehr und Mittel gegen Schlangenbiß, das Aus-treiben der Armut in Gestalt eines Bettlers, das Schattenorakel, den Hinweis auf Umritt-bräuche und das Bewegen des Saatgutes im Fasching. Ferner liefert die Gottschee imNamen der ,, Schtampfo- Parto" oder, Parchto" das bisher fehlende Verbindungsgliedzwischen dem Perchtennamen und der Südtiroler Stampe". Bemerkenswert sind dieHolzmasken bei den altertümlichen Tierdarstellungen. Vielleicht ein Erbe aus dem Ost-tiroler Herkunftsgebiet mit seinem reichen Holzmaskenbestand. Ostösterreich bevorzugtja sonst eher andere Arten von Masken. Kärnten allerdings ist bereits ein Holzmasken-

237 Auch in Slowenien stellt man unverheiratet gebliebenen Mädchen am letzten Faschings-abend u. a. einen Strohmann vor die Türe. E. Schneeweis, Grundriß des Volksglaubensund Volksbrauches der Serbokroaten, 1935, S. 172.

238 Vgl. K. M. Klier, Das Blochziehen, Burgenländische Forschungen, Heft 22, Eisen-

stadt 1953.

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