Tod"( Lienfeld). Diese Vorstellung kennt auch Tschinkel( S. 8):„ Wer sich beiLicht am Abend rasch umdreht und dabei wahrnimmt, daß sein Körper keinen Schattenwirft, der stirbt noch in diesem Jahr." Auch an diesem wichtigen Zeitpunkt offenbartsich demnach eine Jahresentscheidung, ähnlich wie bei den oberösterreichisch- bayrischenGestalten des Thomer!",„, Thomasnigl" oder„ Zwiebart" zu Thomas, 227 dem unge-betenen Weihnachtsgast beim„ Heiligen Mahl" in Süd- und Osttirol, aber auch angren-zenden Gebieten bis in die Steiermark, 228 dem Belauschen der redenden Tiere um Mitter-nacht in der Weihnachtsnacht usf. Auch der Faschingstag zeigt sich somit als eine derentscheidenden Stationen des Jahreslaufes.
7. Das Beseitigen des Alten
Einer der wichtigsten Bräuche ist zum Abschluß dieser Festeszeit das Fasching-begraben oder Faschingverbrennen. Gewöhnlich muß eine bekleidete Strohfigur dazuherhalten, zuweilen aber auch zunächst ein in der Verkleidung steckender Mann, der imrechten Augenblick aus der Strohumwicklung schlüpft oder nach dem Gericht durch eineStrohpuppe ersetzt wird. 229 So z. B. in Hohenegg, wo er von der Gerichtsverhandlungund Verurteilung wegläuft in eine Scheune, dort wird dann der Strohmann herausgeholtund auf einem Baum aufgehängt. In Tschermoschnitz banden sie den Postmeister inStroh, warfen ihn auf den Wagen und führten ihn mit. ,, Da haben sie immer gesagt,jetzt wird er hin sein, und derweil ist er herausgeschlüpft aus dem Stroh. Sie haben ihmschon so ein Loch gemacht, daß er herausschlüpfen konnte. Das Stroh haben sie dannverbrannt." In einer Anzahl von Orten wird er nämlich zuerst vor Gericht gestellt, ihmwird alles mögliche angelastet als einem rechten Sündenbock, 230 dann verurteilt man ihn.Er wird erhängt oder erschossen. 231
Die Namen ,, Faschingbegraben“ und„, Faschingverbrennen“ wechseln. Auch da, wovom ,, Begraben" gesprochen wird, ist in den Nachrichten das Eingraben nur selten auchausdrücklich bestätigt. 282 Zuweilen heißt es, er wird begraben oder angezündet. Hin-gegen wird in der weitaus größten Zahl der Fälle das Verbrennen direkt erwähnt. 233Sichtlich ist das Verbrennen die häufigste Form. Dies geschieht zuweilen auf einem
227 E. Burgstaller, Über einige Gestalten des Thomasbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Thomasbrauchtums in Oberösterreich,Gedenkschrift für Arthur Haberlandt, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien,95. Bd., 1965, S. 306 ff. Dazu auch einige Aufzeichnungen meiner Salzburger Brauchtumsauf-nahme Glossar ::: zum Glossareintrag nahme im Flachgau, ferner im Bayrischen Wald.
228 R. Wolfram, Weihnachtsgast( vgl. Anm. 204).
229 Beispiele aus Schwaben, Böhmen, dem Osnabrückischen, Dorsten usf. bei Sartori,S. 123, Anm. 159.
230 Zum Sündenbock, der alle Verfehlungen und alles Ungute auf sich zu nehmen hat, vgl.u. a. J. G. Frazer, The Golden Bough, 3. Aufl. London 1913-1918, bes. Bd. IX; W. Liung-man, Traditionswanderungen Euphrat Rhein, FFC 118, Helsinki 1937 S. 61 ff.; E.Fehrle, Feste und Volksbräuche im Jahreslauf europäischer Völker, Kassel 1955, S. 80.
231 In Hohenegg, Warmberg, Komutzen und Grafenfeld wird richtig über ihn verhandelt,in den beiden ersteren Orten hängt man den Strohmann, in Reintal, Masern und Katzendorfwird er erschossen.
232 Im Suchener Hochtal ist offensichtlich das Begraben üblich. In Suchen sagten_sie, erwird in ein Loch geschmissen, in Mittergras ,, in eine Grube", ähnlich in Obergras. In Tscher-moschnitz und Masern konnte Verbrennen und Begraben wechseln. Insgesamt ist der NameFaschingbegraben aus Lichtenbach, Suchen, Ober Gras, Tschermoschnitz, Mitterdorf, Verdreng,Katzendorf, Unterlag, Rieg, Reichenau, Krapflern, Mittergras und Masern überliefert.
283 Masereben, Hohenegg, Ebental, Morobitz, Mösel, Altlag, Grafenfeld, Rieg, Wetzenbach,Merleinsraut, Gehag, Masern, Göttenitz, Tschermoschnitz, Mitterdorf, Pichl, Graflinden, Warm-berg, Komutzen, Katzendorf, Stockendorf, Schalkendorf, Langenton, Unterloschin, Reichenau,Lienfeld, Mairle, Koflern, Kukendorf, Buchberg, Prerigl, Reintal.
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