1865, 1883 und 1887 geboren. Dazu noch 1953 Ergänzungen durch Prof. P. Jonke,Mittelschullehrer in Klagenfurt, geboren 1881 in Obermösel.)
In ähnlicher Weise konnte ich Aufzeichnung an Aufzeichnung aus den 50 Ortenreihen, in denen ich das Gottscheer Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum zu erfassen suchte. Der Wiederholungenwürden aber zu viele werden. Art und Umfang der einzelnen Auskünfte gehen aus denBeispielen wohl zur Genüge hervor. Ebenso eine große Zahl der wichtigsten Motive.Wenden wir uns diesen nun im einzelnen zu.
3. Besondere Tage
Bei den Gottscheer Faschingsbräuchen fällt ein besonderes Betonen der Donnerstageauf. Nicht allein des letzten Donnerstages vor dem Faschingsonntag, der als„, feister",,, fetter" oder„, unsinniger" Donnerstag auch sonst bekannt ist, sondern der Donnerstagein der Faschingszeit überhaupt. Meist sind es drei vor dem Aschermittwoch und einernachher. Die Faschingszeit im engeren Sinn wird vorwiegend von Lichtmeẞ an gerechnet,zu Lichtmeẞ kommt nach Gottscheer Glaube auch das erste Fünkchen Wärme in dieErde( Ebenthal, Lienfeld, Grafenfeld). Soweit zu Lichtmeß die Sonne in die Stubescheint, soweit wird zu Maria Verkündigung der Schnee vom Wind getragen werden.Daher wünschte man zu Lichtmeß schlechtes Wetter. Am 3. Februar fehlte auch derBlasiussegen nicht.
das
An den Donnerstagen vor dem Faschingsonntag treffen wir das gute Essen an,,, Pfinstokmandle". Dreimal Krautessen an diesen Tagen half gegen Krankheiten. Auchdas Maskenlaufen findet an diesen Donnerstagen statt und steigert sich von Mal zu Malbis zu den drei eigentlichen Faschingstagen, Sonntag, Montag, Dienstag. Die Reste vomEssen des Faschingdienstags werden über den Aschermittwoch, an dem gefastet wird, aufden nächsten Tag aufgehoben, der dann als„, kleiner Fasching" noch einmal ein Nach-fest, sogar mit Tanz und viel Fröhlichkeit ist. 206
Die Donnerstage sind auch von gewissen Arbeiten ausgenommen, vor allem demSpinnen. Diese weitverbreitete Sitte gilt ebenso in der Gottschee, wo die zwischen Weih-nachten und dem Faschingsonntag üblichen Rockenstuben( ,, Praje") an den Donners-tagen aussetzten. Im übrigen bestehen auch noch einige andere Arbeitsverbote. So sollman z. B. in Morobitz, Mitter Gras und Verdreng in der eigentlichen Faschingszeit nichtnähen, sonst legen die Hühner nicht. 207
Die drei Donnerstage im Fasching bilden somit ein bemerkenswertes Gegenstück zuden drei Donnerstagen im Advent. An diesen findet nicht nur das Herbergsuchen statt,sondern auch jene Form des ,, Anglöckelns", die der älteren Brauchtumsschichte Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsschichte der Mitt-winterzeit angehört. 208 Die Gottschee bietet hier einen schönen Beitrag zur Frage deralten Donnerstagheiligung. 209
206 Belege z. B. aus Masereben, Morobitz, Merleinsraut, Gehag, Langenton, Nesseltal,Warmberg, Komutzen, Pöllandl, Lienfeld, Koflern, Mösel, Altlag. ,, Donnerstag war der KleineFasching für das Geld, das sie gekriegt haben"( Merleinsraut).„ Am Donnerstag war der KleineFasching. Nach dem Faschingbegraben noch einmal getanzt und gejubelt als Nachfeier"( Kof-lern). Übrigens heißt der Donnerstag nach Aschermittwoch auch in der Schweiz und in Baden,, schmutziger"( fetter) oder„ rußiger" Donnerstag. Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens( HWBDA), 2. Bd., Berlin 1929/30, Sp. 331 f.
207 Ähnliche Vorstellungen, daß man den Hühnern sonst die Bürzel zunäht, kennt man auchz. B. im Harz, Thüringen, Vogtland, Oberpfalz. A. Wuttke, Der deutsche Volksaberglaubeder Gegenwart, 4. Aufl., Leipzig 1925, S. 83.
208 Vgl. R. Wolfram, Das Anklöckeln im Salzburgischen, Mitteilungen d. Gesellschaftf. Salzburger Landeskunde, 95. Bd., Salzburg 1955, S. 203 ff.
209 Ebd., S. 224 f.; ferner HWBDA, Bd. II, Sp. 331 ff. Das Feiern an den drei Donners-tagen vor Estomihi( Quinquagesima) ist allerdings auch sonst in deutschen Landen nicht unbe-kannt, in der Gottschee jedoch besonders deutlich belegt.
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