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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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XI. Die Faschingsbräuche

1. Vorbemerkungen

Der dritte große Brauchtumskreis Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumskreis, den wir nach der Arbeit und dem Lebenslauf zubetrachten haben, ist der Jahreslauf. Bei ihm ist das, was aus dem Kalender des Kirchen-jahres stammt, eng verwoben mit den Gefühlen, Gedanken und Handlungen, die sichaus dem Ablauf des Naturjahres ergeben. Wir sammeln unsere Darstellung um vier Höhe-punkte: Fasching, Ostern, Sonnwend und Weihnachten. Wobei etliches an Frühjahrs-und Erntebrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Erntebrauchtum bereits in den Abschnitten über die bäuerliche Arbeit berührt wurde,das Totengedenken zu Allerheiligen- Allerseelen im Kapitel über den Lebensabschluß.Um die Übergänge herzustellen, wurde noch ein Ergänzungskapitel, Frühjahr, Sommer"eingeschoben.

Zwischen der großen Jahreswende zu Mittwinter Weihnachten, Neujahr, Drei-könig- und der Auferstehung der Natur im Frühling beginnend mit Mittfasten undOstern liegt die Faschingszeit. Eine Zwischenzeit, die trotz der Fülle einander inweiten Gebieten recht ähnlicher Bräuche nicht ganz so leicht auf einen Hauptnenner zubringen ist wie die Neujahrswende oder das Naturerwachen. Festzustellen ist außerdem,daß die Handlungen der Faschingszeit als einziger Großabschnitt des Jahreslaufes nichtin den kirchlichen Festkalender eingebaut werden konnten. Hier liegt ein kaum über-schichteter Bestand vor, zumal in den einfach gebliebenen ländlichen Formen.

In den Mittwintertagen geschieht die große Umkehr vom Dunklerwerden zumLichterwerden. An jedem Neubeginn entscheidet sich nach dem Glauben ursprungsnahempfindender Menschen auch das Schicksal des ganzen Zeitabschnittes bis zur nächstengroßen Wende. 203 Die hier geworfenen Lose gilt es nicht nur durch Vorzeichen zu er-kennen, sondern der Mensch sucht auch von sich aus das Mögliche zu tun, um sie zubeeinflussen und zu bestimmen. 204 Das macht einen großen Teil der Anfangsbräucheaus, ein immer wiederkehrendes Stück Schöpfung.

Mit dem Erwachen des Wachstums im Frühjahr gilt es dann, das beim Neubeginnvorauswirkend Eingeleitete zu fördern, zu sichern und die wunderbare neue Kraft inden eigenen Bereich möglichst hereinzuholen, sie mit Freude und Dank zu empfangen.

Schon die Faschingszeit ist dem Kommenden freudig und in mitreißender Lebens-entfaltung voll zugewandt. Sicher, die Freude am Spiel und alle Ventilsitten der,, legalen Anarchie" im Umkehren der üblichen Ordnungen haben ihren wichtigen Teildaran und bedürfen keiner sonstigen sinngebenden Schwergewichte. Und doch steht dasmeiste, was geschieht, in irgendeinem Bezug zur Förderung des neuen Lebens. Sei es dasBeseitigen des verbrauchten Alten, sei es das Aufschäumen der Lebenskraft in Bewe-gungsriten und dem Hinaustreten aus dem Alltäglichen in einem doppelten Sinne. In derMaskenverwandlung liegt nämlich auch im Hintergrund etwas vom sichtbaren Erscheinenund Eingreifen von Gestalten, die nicht nur von dieser Welt sind. Mit allen Übergängen

203 Vgl. dazu auch M. Eliade, Der Mythos der ewigen Wiederkehr, Düsseldorf 1953.204 R. Wolfram, Weihnachtsgast und Heiliges Mahl", Zeitschr. f. Volkskunde, 58.Jg., Stuttgart 1962, S. 1 ff.

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