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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
Entstehung
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Daran schloß sich das Lied:

,, Scheanai baiẞai Taüba( schöne weiße Taube),püschet mi pain Mäule.

Du pischt main, ich pin dain,

ondrsch konn's nue et( nicht) mehr shain." 183

Mit diesem ereignisreichen Tag war aber vielfach die Hochzeit noch nicht beendet.In Mairle dauerte sie z. B. üblicherweise vier Tage, wenn man das Kranzbinden als An-fang rechnet. Von dort erzählten sie mir: Am 3. Tag in der Früh um 7 Uhr sind dieGäste schlafen gegangen bei der Braut im Haus und die anderen sind zu ihm( demBräutigam). Nach einiger Zeit sind sie von der Braut wieder hin und die Hochzeit istweitergegangen. Da haben sie von jeder Hochzeitsfamilie a Schartl gebracht, mit rohemEi außen geziert. A Schunkn, a Henne oder 10 bis 15 Liter Wein haben sie gebracht undeingegeben, dort wo der Bräutigam war. Am 4. Tag sind die Verwandten schon wiederzusammengesessen und haben frisch wieder angefangen."

Die erste Woche nannte man die, goldene Woche"( Nesseltal). Die Braut durfte amersten Tage nicht auskehren und nicht zum Herd gehen ,,, sonst ist sie für eine Magd imHaus"( Ober Mösel). Des Hennenopfers beim erstenmal Kochen wurde bereits gedacht.Acht Tage durfte die Braut nicht in das Elternhaus zurück,, sonst lauft sie immerham"( Suchen). Das ist in den verschiedensten Gegenden der Sprachinsel üblich ge-

wesen. 184

Am Sonntag nach der Hochzeit findet bei den Brauteltern noch eine Nachfeierstatt, die ,, kleine Hochzeit oder, Hintergeschta". Eine kleine Tafel mit den Mehlspeisen,dem Wein und was sonst noch von der Hochzeit übriggeblieben war. Eine ähnlich kleineHochzeitsfeier gab es auch, wenn das erste Kind ein Bub war. Von der Aufnahme desjungen Ehemannes unter die verheirateten Männer war bereits in der anfänglichen Schil-derung aus Rieg die Rede.

8. Einige Vergleiche

Wir haben eine Möglichkeit zu überprüfen, ob in den letzten Jahrhunderten größereÄnderungen im Gottscheer Hochzeitsbrauch eintraten. In seinem berühmten vierbändigenMonumentalwerk Die Ehre des Herzogtums Krain" von Johann Weichard Freiherrnvon Valvasor( Laibach, Nürnberg 1689) ist ein bedeutender Teil des 2. Bandes denBräuchen der verschiedenen Volksstämme gewidmet, welche in diesem Raume siedeln.Es sind die Abschnitte über Ober- Crain, Unter- Crain, von den Uskoken( Walachen) inMittel- Crain, von den Gottscheern, Kroaten, Wippachern, von denen, die auf dem Karstwohnen, Fiumanern und Istrianern. Dabei ist der Abschnitt über die Gottscheer verhält-nismäßig kurz, vielleicht weil das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der anderen Regionen schon ausführlichbehandelt wurde und Wiederholungen vermieden werden sollten. Von der GottscheerHochzeit teilt Valvasor folgendes mit:

وو

Wann sie Hochzeit halten und es nun an dem ist, daß die Braut schon zu demBräutigam ins Haus geführt wird, auch allbereits zu Pferde sitzt, so reicht man ihr einViertheil Weins. Davon bringt sie ihrem Bräutigam Eines zu. Nachdem sie aber einenTrunck gethan, wirfft sie den Krug samt dem Wein hinterwerts über ihren Kopff undreitet alsdann fort. Woferrn sie aber zu Fuß nach dem Hause ihres Bräutigams geht,

183 Da die Brauchtumslieder Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumslieder im 3. Band der Gesamtausgabe der Gottscheer Volksliederveröffentlicht und erläutert werden, verzichte ich darauf, näher auf diese Lieder einzugehen.Die von mir aufgezeichneten Lieder werden auch in die Gesamtausgabe aufgenommen.

184 Ebenthal, Morobitz, Rieg, Suchen, Ober Gras, Merleinsraut, Verdreng, Katzendorf,Warmberg, Komutzen, Langenton, Koflern usf.

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