6. Mahl und häusliches Fest
Zum Mahl mußten die Gäste oft einzeln mit Musik abgeholt werden( Merleinsraut,Rieg, Mrauen). Es dauerte ein bis zwei Stunden, bis alle beisammen waren. Inzwischenhatten die Teilnehmer des Brautzuges vorläufig Platz genommen, während die Braut-führer und Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag Kranzljungfern die Leute herbeibrachten.
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Beim Mahle selbst gab es eine überlieferte Sitzordnung. Das Brautpaar sitzt natür-lich beisammen, an ihrer Seite die Vierarin, an seiner der Staraschiner( Mösel, Grafen-feld, Mairle, Koflern). Üblicherweise schließen sich daran auf der einen Seite die Elterndes Bräutigams, auf der anderen die Eltern der Braut. Bei Hochzeiten in Mairle saßenwenn das Mahl im Brauthause stattfand die Leute des Bräutigams beim Tisch unddie Leute der Braut draußen in einem anderen Raum, fand das Mahl im Bräutigamshausestatt, war es umgekehrt. In Mairle und Grafenfeld mußte die Viererin der Braut dasFleisch vorschneiden, in Tschmermoschnitz, Preriegl, Rieg und im Hinterland bedienteder Staraschiner die Brautleute in dieser Weise. Oder das Zerschneiden und Austeilenüberhaupt für die gesamte Gesellschaft fiel dem Staraschiner zu, wie dies in Ebenthalschon beschrieben wurde.
Ehe man mit dem Essen begann, betete der Staraschiner vor und bat um Segen fürdie Brautleute( Morobitz). Die Speisenordnung wies den bei bäuerlichen Hochzeitenüblichen Umfang auch in der Gottschee auf. Rindsuppe mit Nudeln war immer daserste. Die Suppe war entsprechend ausgiebig, denn es wurden auch fette Hennen mit-gekocht. Nicht fehlen durfte Rindfleisch mit gerösteten Erdäpfeln und Zwiebelsoße. Aufgroßen Tellern lag geschnittenes ,, Schartlbrot". 173
Im Laufe des Abends kamen noch weitere Gänge: Kalbsbraten mit grünem Salatund roten Rüben, Brathühner mit Reis und Erdäpfelsalat. Wenn die Hühner aufgetragenwurden, sang man im Hinterland ein eigenes Lied. Nach dem Tanz gab es ,, Pfonzaitlein"( Schneebälle oder Strauben, mit Staubzucker überstreut) und nach Mitternacht die be-rühmten Gottscheer ,, Pobolitzen", die nie fehlen durften. Krapfen und Bäckereien ver-vollständigten die Speisenreihe. ,, Unwahrscheinlich viel Mehlspeisen" werden aus ver-schiedenen Orten bezeugt. Aus Merleinsraur lernten wir bereits als Besonderheit die imGanzen belassenen, gebratenen und gefüll en Schafe kennen, die auf einem Blech aufdem Kopf hereingetragen wurden und die in der mannigfachsten Weise mit Hilfe voneingestochenen Holzspießen geschmückt waren. Ich füge als weiteres Beispiel an, was siemir aus Suchen erzählten:„ Zum Schluß ist das große Lamm gekommen zum Aufteilen,gebraten. Spieße aufgestellt und Krapfen oder Strauben daraufgesteckt, und beim Halsein Mascherl. Und der das gebracht hat, hat sich maskiert und da sein's g'hupft undhaben, mäh g'schrien, und, was gibst du dafür?' Und sie haben gehandelt. Dann habensie es zerschnitten, was blieben is, hat man den Gästen mitgegeben."
Kinder und junge Leute warteten heimlich an der Türe und schlüpften, wenn sichGelegenheit ergab, rasch unter den Tisch. Dort zupften sie die Gäste und baten auch umeinen Anteil, der ihnen nicht verweigert wurde. Die Männer wurden bei den Hosen ge-zupft, die Frauen an den Kitteln. Das galt nicht als Bettelei, sondern war ihr Recht. 174,, Muama( Muhme), a pese Vloisch( Fleisch)! Vettr, gabn tuat mr lai an Poindle( Bein-chen)! Epos von a Kropfn! A Schtikle Schartlproat!" Natürlich war das Zupfen für die
173 Der Name kennzeichnet das Hin und Her im kulturellen Zusammenleben mit derslawischen Umwelt. Diese Art Guglhupf aus Eiern, Milch, Butter und Zucker ist eine Rück-entlehnung aus slowenisch Sartelj"= Guglhupf, das seinerseits aus dem mittelhochdeutschen,, schart" Röstpfanne ins Slowenische entlehnt worden war.. E. Kranzmayer, KärntnerBauernkost, Carinthia, 139. Jg., Klagenfurt 1949, S. 2, 3.
174 Grafenfeld, Lichtenbach, Rieg, Nesseltal, Stockendorf, Langenton, Koflern, Reintal usf.
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