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Brauchtum Glossary ::: show glossary-entry Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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VIII. Die Volkstänze in der Gottschee

Daß die Gottscheer ein temperamentvolles und tanzfreudiges Volk sind, wird jederbestätigen können, der einmal gemeinsam mit ihnen Feste feierte. Was er aber heuteetwa beim ,, Kirtag" zu sehen bekommt, ist der sozusagen normale" Restbestand vonWalzer und Polka, der natürlich einst auch in der Gottschee selbst allenthalben vor-handen war. Aber was tanzte man sonst noch? Darüber gibt keine Literatur Aufschluß,denn es hat niemand danach gefragt.

Ich selbst hatte bei meinen unter Zeitdruck und besonderen Umständen stattfinden-den Brauchtumsaufzeichnungen Glossary ::: show glossary-entry  Brauchtumsaufzeichnungen nicht die Möglichkeit, die Tanzformen und Melodienselbst zu erforschen und festzuhalten. Da die Tänze aber zu meinen besonderen Inter-essengebieten gehören, fragte ich immerhin so nebenher, was denn an Tänzen üblichgewesen sei? So unvollständig die Antworten auch sind, so ergab sich doch ein gewissesBild. Und es ist das einzige, was wir von Gottscheer Tänzen wissen. Da es sich in derRegel um Formen handelt, die wir in Varianten auch in Österreich kennen, können sichdie Tanzforscher eine ungefähre Vorstellung vom einst Vorhandenen machen. Vielleichtkönnen meine Mitteilungen auch noch dazu anregen, von der älteren Generation noch dieTanzausführung selbst und den Melodienschatz zu erfragen. Ganz zu spät wäre es wohlnoch nicht. Hier läge noch eine Aufgabe.

1. Reigen

Bei den vielen Verbindungen, welche u. a. die Wanderhändler zwischen der Sprach-insel und Innerösterreich aufrechterhielten, sind die Übereinstimmungen im Tanzschatzverständlich. Aufsehenerregende Altformen wie auf dem Gebiete des Liedes treffen wirunter den Tänzen der Gottschee nicht an.

Zu den altertümlichsten Formen bei uns wie in der Gottschee gehören die Reigen,mit denen nicht nur jene der Kinder gemeint sind. So werden z. B. in Masereben geson-dert die Kinderreigen erwähnt, außerdem aber noch Kettentanzfiguren, wo alle einanderdie Hände reichen, auch beim Steirischtanzen der Erwachsenen. Wobei wir bedenkensollten, daß zwar die Kettentänze in Südosteuropa eine beherrschende Stellung einneh-men, jedoch noch nicht so sehr in Slowenien. Hier setzen sie stärker erst in Weißkrainein. Im übrigen sind die Kettentänze auch eine gesamteuropäische Form, die es auch beiuns einst in weit stärkerem Maße gab als heute, wo nur mehr Reste vorhanden sind.

Als besonders in die Augen fallende Kettentanzfigur war den Gottscheer Gewährs-leuten das Durchziehen der Reigenkette unter dem Tor der gefaßten Hände eines derPaare in Erinnerung. So sagten sie in Mairle auch: Kette und durchgeschloffen", inMasereben: ,, früher wurde auch Ringelreia getanzt mit Durchschliefen durch ein Tor, dasmit den Händen gebildet wird". Die Gewährsfrau, welche diese Aussage machte, lebtezwar in Masereben, war aber gebürtig aus Komutzen bei Unter- Warmberg.

Daß diese Tanzart überhaupt in der Gegend vorkam, bestätigte Masern. Dort fandsich nämlich die Kettenfigur eingeschoben in den Werbetanz des Steirischen". Die An-gabe lautete: ,, Beim Steirischen zuerst das Dirndl gedreht; dann alle bei den Händengefaßt und durchgezogen unter einem Tor, dann der andere und so lang hin und her ge-

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