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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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IV. Die Schöpferlein,

Gottscheer Volksglaube von den Schicksalsgestalten

1. Vorbemerkungen

Nach dem Betrachten der Lebensgrundlagen der Gottscheer wenden wir uns nun denMenschen zu. Vom Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum des Lebenslaufes hat die bisherige Literatur die größteAufmerksamkeit der Hochzeit gewidmet. Die übrigen Hauptstufen des Daseins wurdenweit spärlicher bedacht. Gerade der Lebensanfang birgt jedoch in der Gottschee Vor-stellungen und Bräuche, die in der noch lebendigen deutschen Volkskultur unseresJahrhunderts einmalig sind. Aus dem Munde einer ganzen Anzahl von Gewährsfrauenkonnte ich noch Aufzeichnungen machen, welche vom Erscheinen der Schicksalsfrauenbei der Geburt eines Kindes berichten! Hier klang noch nach, was im alten Rom undHellas von den Parzen und Moiren erzählt ist und bei den Germanen von den Nornen.Im binnendeutschen Volksbereich verklang das mit dem Mittelalter, nur die Gottscheehat es bewahrt. Allerdings ist auch hier das Ende abzusehen. Die ganze Tragik desKulturbruches wurde einem bewußt, wenn mir z. B. so ein altes Mütterlein im Um-siedlerlager Photographien von ihren Kindern in Amerika zeigte. Stolz erzählte eine derFrauen von der Hochzeit der Kinder drüben. Auf dem Bilde sah man junge Männer imweißen Smoking und ebenso neuzeitlich gekleidete junge Damen. Die Mütter diesermodernen Jugend aber wissen noch von den Schicksalsfrauen zu erzählen! Sie sind aberwohl auch die letzten. Nur durch sie war noch etwas von dieser Kunde einzufangen.

2. Die Erzählungen von den Schöpferlein

Hauffens großes Buch enthält nichts über die Schicksalsfrauen, die in derGottschee ,, Schöpferlein" genannt werden, weil sie die Schöpfer des Schicksals für dasneue Menschenkind sind. Die erste und bisher einzige Andeutung( ohne Angabe derHerkunftsorte) findet sich bei Tschinkel, S. 10. Sie lautet:

"

, Wenn ein Kind zur Welt kommen soll, bitten die, Schöpferlein', die über demHause schweben sollen, ununterbrochen:, Lai dai schtunda et, lai dai schtunda et!'( nurdiese Stunde nicht), wenn diese Stunde keine glückliche ist; denn die Stunde der Geburtist für das Schicksal der Menschen bestimmend. Nach der Geburt verkünden sie das Losdes jungen Weltbürgers. Dem einen verheißen sie Glück und Segen, dem anderen sagensie ein trauriges Ende, wohl auch Raub und Selbstmord vorher. So prophezeiten sieeinem einmal den Tod durch Ertrinken. Ängstlich mied er die Nähe des Wassers. Daschlummerte er einst unter einem Baume ein. Ein Windhauch wirbelte einige nasse Blät-ter auf und trieb sie gerade auf den Mund des Schlafenden. Er ertrank an den wenigenTropfen, die am Laub hingen."

Was hatten nun die Gottscheer Frauen zu berichten? 84 Ich gebe die Antwortenwegen der Wichtigkeit dieser uralten Überlieferung alle im vollen Wortlaut wieder:

84 Die Namen und Daten der Gewährsleute führe ich hier nicht im einzelnen an. Sie sindaber selbstverständlich alle aufgenommen, außerdem zumeist auch photographiert.

5 Wolfram

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