weder trocken zum Brot oder kochte es, das Kompott der damaligen Zeit. Zerquetschtergab es auch eine schmackhafte Fülle für das Weißbrot.
Die zweite Verwendungsart war das Pressen zu Most. In Trögen wurden Äpfel undBirnen mit Holzhämmern zerschlagen, mit Stampfern zerdrückt oder auch mit Reib-steinen zerrieben. Das Mus wurde dann gepreßt. Die dritte Verwendungsart war dasBrennen gegorener Maische zu Branntwein.
24. Wein
An der tiefer gelegenen Südostabdachung der Sprachinsel bei Maierle gedieh auchWein. Dort betrieben nicht nur die Ortsbewohner Weinbau, sondern auch wohlhabendereBauern aus der unteren Moschnitze und dem Unterlande hatten hier Weingärten. ,, DieNesseltaler hatten ihre Weingärten bei Mairle. Sie mußten 3 Stunden gehen bis dorthin.Im Herbst wurden 1 bis 2 Weinhüter aufgestellt, die haben zuletzt Geld gekriegt. Mit einemStock ist der Hüter gegangen, aber Hüterzeichen waren keine. Wenn man Wein verkaufthat, hat man dem Fuhrmann viel Essen gegeben und ein Putscherle mit 15 Liter mit fürdie Fahrt zum Trinken. Zu Martini der Wein getauft"( Nesseltal). ,, Bei der Lese war esimmer lustig, 8 bis 10 Tage waren Leute aufgenommen. So um 3000 1 Wein verkauft.Und sie sind auch herum mit Musik und haben es lustig gehabt"( Mairle).
25. Flachs, Spinnen
Früher wurde viel Flachs angebaut, im Ersten Weltkrieg hob sich das wieder. Es gabzwei Gattungen Leinen, das gewöhnliche war ,, kunigen", das feine war„ Raishtoch".,, Das Leinen war ein Ersatz für das Badezimmer, es hat den Schweiß abgerieben."
Der Flachs wurde in der üblichen Art bearbeitet, auf der Wiese ausgebreitet,„ aufder Reaße", gebrechelt usf. Beim Flachsbrecheln waren sie um zwei Uhr morgens schonauf, da haben sie große Feuer gemacht und auch gesungen ,, nu auhar, nu auhar du Tugegaliacht"( herauf, herauf du hellichter Tag). Aber sonst waren keine„ Brechelbräuche"( Ebenthal, Mösel, Tiefenbach, Göttenitz).
,, Etwa vom 10. November an ist das Spinnen angegangen. Das war bis gegen denFasching. Nach Gertraud haben sie nicht mehr gesponnen, die Mäuse fressen sonst dieSpulen ab. Nach dem Spinnen haben sie die Faden gekocht. Das hat sechs Tage gedauert.Die Slowenen haben das nicht gemacht. Hier weiß gewaschen. Sie sind zur Zeit desGroßvaters noch mit dem Raischten zur Trauung gegangen. Gesponnen haben sie mitRädern., Eierbollen haben sie gemacht, wenn sie Leinsamen gesät haben. Unter die Lein-samen hat man mehrere gekochte Eier gegeben. Nach der Saat haben sie die Eier mehr-mals in die Höhe geworfen und aufgefangen, dann gegessen, die Schalen zerrieben undaufs Feld gestreut. Dann bekommt man eine gute Flachsernte. Beim, Huarrafn'( Jäten)muß man Schweinekaie( Unterkiefer) kochen und essen, dann wird der Hoar gut. EinenDieb eines Unterkiefers hat man an einen Stock gebunden vor der Kirchen auf dem Platz,zum Zeichen, daß er ein Dieb ist"( Masereben).
26. Vergleiche
In den Berichten über die Brauchtumsaufnahme Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsaufnahme in der Gottschee ist den Stoffdar-bietungen noch ein Kapitel mit Vergleichen angefügt, welche es ermöglichen sollen, dieStellung der Gottscheer Bestandes innerhalb größerer Zusammenhänge zu erkennen. Aufdem Gebiete der Sachkultur würde dies aber Sonderuntersuchungen erfordern, welcheüber den Rahmen eines Aufsatzes hinausgehen. Ich verweise als Beispiele auf die Arbeitenvon M. Kundegraber zur Gottscheer Tracht, den Zuggeräten der Joche, zum Heu-
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